Ketamin

Anästhetika | Handelsnamen: Ketalar, Ketanest etc.

Allgemeine Informationen

Ketamin ist ein Anästhetikum (Narkosemittel) dessen antidepressive Wirkung erst vor wenigen Jahren entdeckt wurde. Bis heute besitzt es in Europa keine offizielle Zulassung betreffend der Behandlung von Depressionen, wird aber im off-label use bei schwer depressiven und suizidalen Patienten in Kliniken verwendet. Studien, die eine Zulassung im Rahmen einer Depression offiziell ermöglichen sind im Gange. In den USA hingegen wurde im März 2019 der Wirkstoff Esketamin in Form eines Nasensprays zur Behandlung schwerer therapieresistenter Depressionen zugelassen.

Im Zuge einer Depressionsbehandlung durch Ketamin ist die Form der Verabreichung und die Bestimmung der Dosis elementar. Wichtig in erster Linie ist also nicht nur dass, sondern auch wie genau Ketamin konsumiert wird. Notwendig ist eine sehr langsame und kontinuierliche Injektion einer ärztlich individuell bestimmten Dosis. Wird die Substanz „frei“ konsumiert, hat sie nachweislich keinen antidepressiven Effekt.

Ketamin hat einen starken Einfluss auf die Fahrtüchtigkeit und das Bedienen von Maschinen. Nach einer Ketamininfusion ist das Lenken eines Fahrzeuges oder die Bedienung einer potenziell gefährlichen Maschine nicht erlaubt. Die Einnahme von Alkohol vor oder nach einer Ketamininfusion ist kontraindiziert. Es kann zu einer unter Umständen tödlichen Atemdepression kommen. Ketamin ist zudem schwierig mit Antiepileptika wie z.B. Lamotrigin kombinierbar, da beide Substanzen den Botenstoff Glutamat beeinflussen und sich so neutralisieren.

Ketamin ist in allen deutschsprachigen Staaten offiziell als Betäubungsmittel klassifiziert. Der Besitz ohne ärztliches Rezept ist somit strafbar. Ebenfalls strafbar ist der Verkauf oder die kostenlose Weitergabe ohne entsprechende Lizenz. Die Substanz kann bei regelmässigem missbräuchlichem Konsum psychisch abhängig machen.

Indikation
  • Einleitung und Erhalt einer Vollnarkose
  • Zusatztherapie bei Depressionen (off-label use)
Dosierung & Anwendung

Applikationsform: Injektion

Dosierung: individuell

Die Dosierung muss von einem Arzt individuell festgelegt werden. Bei Depressionen wird eine sehr geringe Dosis verabreicht, so dass man bei Bewusstsein bleibt.

Ketamin muss nicht langsam aufdosiert werden. Auch ist keine langsame Reduktion der Dosis notwendig.

Pharmakokinetik

max. Plasmakonzentration: nach 1-5 Minuten

Halbwertszeit: ca. 79 Minuten (bei langsamer kontinuierlicher Injektion)

Bioverfügbarkeit: 100% (intravenös)

Wirkungseintritt: nach ca. 40-60 Minuten (bei einmaliger langsamer Injektion)

Wirkdauer des antidepressiven Effekts: ca. 7 Tage

Diese Werte sind als Durchschnittswerte anzusehen. Je nach Alter, Nahrungsaufnahme und der Kombination mit anderen Medikamenten können diese Werte (teilweise stark) variieren.

Nebenwirkungen

Sehr häufig (mehr als 10%): keine

Häufig (1-10%): Halluzinationen, lebhafte Träume, Albträume, Verwirrung, motorische Unruhe, auffälliges Verhalten, Agitation, Nystagmus, tonische und klonische Bewegungen, Muskelverspannungen, intrakranieller Druckanstieg, Doppelbilder, Sehstörungen allgemein, Herzrasen, Bluthochdruck, Steigerung der Atemfrequenz, Übelkeit, Erbrechen, Hautrötungen, Hautausschlag.

Gelegentlich (0.1-1%): Angstzustände, Schwindel, Herzrhythmusstörungen, verlangsamter Herzschlag, niedriger Blutdruck, Atemwegsverengung, Atemdepression, Appetitlosigkeit, vermehrter Speichelfluss, lokale Schmerzempfindlichkeit, Rötung der Injektionsstelle.

Selten (0.01-0.1%): Anaphylaktische Reaktion, Delirium, Flashback, gedrückte Stimmung, Schlaflosigkeit, Desorientierung, Aussetzen der Atmung.

Weitere (sehr seltene Nebenwirkungen/Einzelfälle/Häufigkeit unbekannt): Erhöhter Augendruck, Leberschäden.

Menschen mit Depressionen gehen oft automatisch davon aus, sämtliche und/oder die schwersten Nebenwirkungen zu entfalten. Diese Annahme ist objektiv nicht begründet.

Kontraindikationen & Wechselwirkungen

Fragen Sie, bevor Sie vor einer Ketamin-Infusion immer Ihren Arzt bezüglich Nebenwirkungen, Kontraindikationen (Gegenanzeigen) und Wechselwirkungen mit anderen (auch frei verkäuflichen) Medikamenten.

 

Kein Ketamin injizieren darf Ihnen der Facharzt:

  • Wenn Sie allergisch gegenüber einem Inhaltsstoff Ihres Ketamin-Präparates sind.
  • Wenn sie unter schlecht eingestelltem oder nicht behandeltem Bluthochdruck leiden.
  • Wenn bei eine Blutdrucksteigerung eine erhebliche Gefahr für Ihre Gesundheit bedeutet (z.B. vorangegangener zerebrovaskulärer Insult).
  • Wenn Sie unter gewissen Schwangerschaftserkrankungen (Präeklampsie und Eklampsie) leiden.
  • Wenn bei Ihnen eine Überfunktion der Schilddrüse festgestellt wurde.

 

Bei der Injektion von Ketamin ist Vorsicht geboten…

  • Wenn Sie unter gewissen Herzbeschwerden (z.B. Angina Pectoris) leiden.
  • Wenn Sie in den letzten 6 Monaten einen Herzinfarkt hatten.
  • Wenn Sie unter einem gesteigerten Hirndruck leiden.
  • Wenn bei Ihnen ein erhöhter Augeninnendruck (Glaukom) festgestellt wurde.
  • Wenn sie unter gut eingestelltem Bluthochdruck leiden.

 

Ketamin soll mit den folgenden Arzneimitteln nur mit Vorsicht angewendet werden:

  • Phenothiazinen
  • H1-Blocker/Antihistaminika
  • Skelett-Muskelrelaxantien
  • Benzodiazepine
  • Z-Drugs
  • Barbituriate
  • Neuroleptika
  • Antihypertensiva (Arzneimittel zur Behandlung von Bluthochdruck)
  • Schilddüsenhormone
  • Sympathomimetika (vielfach in rezeptfreien Erkältungsmitteln und Nasensprays enthalten)
  • Ergometrin
  • Theo- bzw. Aminophyllin (z.B. zur Behandlung von Bronichalasthma)
  • Arzneimittel, welche die CYP3A4 Enzymaktivität inhibieren oder induzieren

Diese Liste entspricht den aktuell verfügbaren Informationen, weitere Interaktionen und Kontraindikationen sind allerdings keineswegs auszuschliessen! Sprechen Sie unbedingt Ihren Arzt auf bestehende Erkrankungen und Veränderungen Ihrer Medikation (betrifft auch rezeptfreie Präparate) an, auch wenn auf dieser Liste keine Informationen vermerkt sind.

Schwangerschaft & Stillzeit

Ketamin ist unzureichend bezüglich Schwangerschaft und Stillzeit geprüft worden, es liegen keine klinischen Studien vor. Es gibt jedoch Hinweise, dass Ketamin bei Neugeborenen eine Atemdepression auslösen kann, welche eine Reanimation notwendig macht. Zudem ist Ketamin plazentagängig und findet sich rasch im Plasma des Fetus wieder. Berichte über Bluthochdruck liegen ebenfalls vor.

Zu der Frage des Übertritts von Ketamin in die Muttermilch liegen keine Unterlagen vor.

Das Medikament soll in der Schwangerschaft sowie in der Stillzeit nicht angewendet werden.

Der Autor hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt.
Ketamin ist in allen deutschsprachigen Staaten gesetzlich als Betäubungsmittel klassifiziert. Der Besitz
ohne ärztliches Rezept sowie der Handel und die kostenlose Weitergabe ohne Lizenz sind strafbar.
Dieses Medikament ist rezeptpflichtig. Die Injektion muss ärztlich überwacht werden.

Stand der Information: April 2017

Ketamin

Anästhetika | Handelsnamen: Ketalar, Ketanest etc.

Allgemeine Informationen

Ketamin ist ein Anästhetikum (Narkosemittel) dessen antidepressive Wirkung erst vor wenigen Jahren entdeckt wurde. Bis heute besitzt es in Europa keine offizielle Zulassung betreffend der Behandlung von Depressionen, wird aber im off-label use bei schwer depressiven und suizidalen Patienten in Kliniken verwendet. Studien, die eine Zulassung im Rahmen einer Depression offiziell ermöglichen sind im Gange. In den USA hingegen wurde im März 2019 der Wirkstoff Esketamin in Form eines Nasensprays zur Behandlung schwerer therapieresistenter Depressionen zugelassen.

Im Zuge einer Depressionsbehandlung durch Ketamin ist die Form der Verabreichung und die Bestimmung der Dosis elementar. Wichtig in erster Linie ist also nicht nur dass, sondern auch wie genau Ketamin konsumiert wird. Notwendig ist eine sehr langsame und kontinuierliche Injektion einer ärztlich individuell bestimmten Dosis. Wird die Substanz „frei“ konsumiert, hat sie nachweislich keinen antidepressiven Effekt.

Ketamin hat einen starken Einfluss auf die Fahrtüchtigkeit und das Bedienen von Maschinen. Nach einer Ketamininfusion ist das Lenken eines Fahrzeuges oder die Bedienung einer potenziell gefährlichen Maschine nicht erlaubt. Die Einnahme von Alkohol vor oder nach einer Ketamininfusion ist kontraindiziert. Es kann zu einer unter Umständen tödlichen Atemdepression kommen. Ketamin ist zudem schwierig mit Antiepileptika wie z.B. Lamotrigin kombinierbar, da beide Substanzen den Botenstoff Glutamat beeinflussen und sich so neutralisieren.

Ketamin ist in allen deutschsprachigen Staaten offiziell als Betäubungsmittel klassifiziert. Der Besitz ohne ärztliches Rezept ist somit strafbar. Ebenfalls strafbar ist der Verkauf oder die kostenlose Weitergabe ohne entsprechende Lizenz. Die Substanz kann bei regelmässigem missbräuchlichem Konsum psychisch abhängig machen.

Indikation
  • Einleitung und Erhalt einer Vollnarkose
  • Zusatztherapie bei Depressionen (off-label use)
Dosierung & Anwendung

Applikationsform: Injektion

Dosierung: individuell

Die Dosierung muss von einem Arzt individuell festgelegt werden. Bei Depressionen wird eine sehr geringe Dosis verabreicht, so dass man bei Bewusstsein bleibt.

Ketamin muss nicht langsam aufdosiert werden. Auch ist keine langsame Reduktion der Dosis notwendig.

Pharmakokinetik

max. Plasmakonzentration: 1-5 Minuten

Halbwertszeit: 79 Minuten (bei langsamer kontinuierlicher Injektion)

Bioverfügbarkeit: 100% (intravenös)

Wirkungseintritt: nach ca. 40-60 Minuten

Wirkdauer des antidepressiven Effekts: ca. 7 Tage

Diese Werte sind als Durchschnittswerte anzusehen. Je nach Alter, Nahrungsaufnahme und der Kombination mit anderen Medikamenten können diese Werte (teilweise stark) variieren.

Nebenwirkungen

Sehr häufig (mehr als 10%):

  • keine

Häufig (1-10%):

  • Halluzinationen
  • Lebhafte Träume
  • Albträume
  • Verwirrung
  • Motorische Unruhe
  • Auffälliges Verhalten
  • Agitation
  • Nystagmus
  • Tonische und klonische Bewegungen
  • Muskelverspannungen
  • Intrakranieller Druckanstieg
  • Doppelbilder
  • Sehstörungen allgemein
  • Herzrasen
  • Bluthochdruck,
  • Steigerung der Atemfrequenz
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Hautrötungen
  • Hautausschlag

Gelegentlich (0.1-1%):

  • Angstzustände
  • Schwindel
  • Herzrhythmusstörungen
  • Verlangsamter Herzschlag
  • Niedriger Blutdruck
  • Atemwegsverengung
  • Atemdepression
  • Appetitlosigkeit
  • Vermehrter Speichelfluss
  • Lokale Schmerzempfindlichkeit
  • Rötung der Injektionsstelle

Selten (0.01-0.1%):

  • Anaphylaktische Reaktion
  • Delirium
  • Flashback
  • Gedrückte Stimmung
  • Schlaflosigkeit
  • Desorientierung
  • Aussetzen der Atmung

Weitere (sehr seltene Nebenwirkungen / Einzelfälle / Häufigkeit unbekannt):

  • Erhöhter Augendruck
  • Leberschäden

Menschen mit Depressionen und/oder Angststörungen gehen meist automatisch davon aus, sämtliche und/oder die schwersten Nebenwirkungen zu entwickeln. Hierbei kann ein Nocebo-Effekt (ein negativer Placebo-Effekt) entstehen. Diese Annahme ist objektiv nicht begründet.

Kontraindikationen & Wechselwirkungen

Fragen Sie, bevor Sie vor einer Ketamin-Infusion immer Ihren Arzt bezüglich Nebenwirkungen, Kontraindikationen (Gegenanzeigen) und Wechselwirkungen mit anderen (auch frei verkäuflichen) Medikamenten.

 

Kein Ketamin injizieren darf Ihnen der Facharzt:

  • Wenn Sie allergisch gegenüber einem Inhaltsstoff Ihres Ketamin-Präparates sind.
  • Wenn sie unter schlecht eingestelltem oder nicht behandeltem Bluthochdruck leiden.
  • Wenn bei eine Blutdrucksteigerung eine erhebliche Gefahr für Ihre Gesundheit bedeutet (z.B. vorangegangener zerebrovaskulärer Insult).
  • Wenn Sie unter gewissen Schwangerschaftserkrankungen (Präeklampsie und Eklampsie) leiden.
  • Wenn bei Ihnen eine Überfunktion der Schilddrüse festgestellt wurde.

 

Bei der Injektion von Ketamin ist Vorsicht geboten…

  • Wenn Sie unter gewissen Herzbeschwerden (z.B. Angina Pectoris) leiden.
  • Wenn Sie in den letzten 6 Monaten einen Herzinfarkt hatten.
  • Wenn Sie unter einem gesteigerten Hirndruck leiden.
  • Wenn bei Ihnen ein erhöhter Augeninnendruck (Glaukom) festgestellt wurde.
  • Wenn sie unter gut eingestelltem Bluthochdruck leiden.

 

Ketamin soll mit den folgenden Arzneimitteln nur mit Vorsicht angewendet werden:

  • Phenothiazinen
  • H1-Blocker/Antihistaminika
  • Skelett-Muskelrelaxantien
  • Benzodiazepine
  • Z-Drugs
  • Barbituriate
  • Neuroleptika
  • Antihypertensiva (Arzneimittel zur Behandlung von Bluthochdruck)
  • Schilddüsenhormone
  • Sympathomimetika (vielfach in rezeptfreien Erkältungsmitteln und Nasensprays enthalten)
  • Ergometrin
  • Theo- bzw. Aminophyllin (z.B. zur Behandlung von Bronichalasthma)
  • Arzneimittel, welche die CYP3A4 Enzymaktivität inhibieren oder induzieren

Diese Liste entspricht den aktuell verfügbaren Informationen, weitere Interaktionen und Kontraindikationen sind allerdings keineswegs auszuschliessen! Sprechen Sie unbedingt Ihren Arzt auf bestehende Erkrankungen und Veränderungen Ihrer Medikation (betrifft auch rezeptfreie Präparate) an, auch wenn auf dieser Liste keine Informationen vermerkt sind.

Schwangerschaft & Stillzeit

Ketamin ist unzureichend bezüglich Schwangerschaft und Stillzeit geprüft worden, es liegen keine klinischen Studien vor. Es gibt jedoch Hinweise, dass Ketamin bei Neugeborenen eine Atemdepression auslösen kann, welche eine Reanimation notwendig macht. Zudem ist Ketamin plazentagängig und findet sich rasch im Plasma des Fetus wieder. Berichte über Bluthochdruck liegen ebenfalls vor.

Zu der Frage des Übertritts von Ketamin in die Muttermilch liegen keine Unterlagen vor.

Das Medikament soll in der Schwangerschaft sowie in der Stillzeit nicht angewendet werden.

Der Autor hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt. Ketamin ist in allen deutschsprachigen Staaten gesetzlich als Betäubungsmittel klassifiziert. Der Besitz ohne ärztliches Rezept sowie der Handel und die kostenlose Weitergabe ohne Lizenz sind strafbar. Dieses Medikament ist rezeptpflichtig. Die Injektion muss ärztlich überwacht werden.

Stand der Information: April 2017