Maprotilin

tetrazyklisches Antidepressivum | Handelsnamen: Ludiomil, Maprolu sowie div. Generika

Allgemeine Informationen

Maprotilin wurde 1972 von der Schweizer Firma Novartis entwickelt und auf den Markt gebracht.

Maprotilin ist ein tetrazyklisches Antidepressivum (Tetrazyklika) und wird primär unter den Handelsnamen Ludiomil und Maprolu vertrieben. Auch als Generikum ist es erhältlich. Das Medikament zeigt eine starke (nicht selektive) Wiederaufnahmehemmung von Noradrenalin aus dem synaptischen Spalt, jedoch keine nennenswerte von Serotonin. Zugelassen ist Maprotilin ab dem 18. Altersjahr zur Behandlung von Depressionen. Durch das Medikament ist eine Beeinträchtigung der Fahrtüchtigkeit und dem Bedienen von Maschinen möglich. Die Wirkungen von Alkohol kann bei gleichzeitiger Einnahme von Maprotilin verstärkt werden.

Die kaum nachweisbare anticholinerge Wirkung bietet einen Vorteil gegenüber trizyklischen Antidepressiva, weil es dadurch zu weniger unerwünschten Wirkungen auf das vegetative Nervensystem kommt.

Seit der Markteinführung von Mirtazapin (ebenfalls ein tetrazyklischen Antidepressivum) wird Maprotilin nur noch selten verwendet.

Indikation
  • Depression
Dosierung & Anwendung

Einnahme: 1-3x täglich unabhängig der Mahlzeiten.
Die Einnahme muss täglich erfolgen (also nicht nur bei unmittelbarem Bedarf).

Zieldosis: 25-150mg (pro Tag)

Die hier erwähnte Dosierung bezieht sich auf Erwachsene ohne körperliche Einschränkungen im Alter zwischen 18 und 65 Jahren deren Behandlung ambulant erfolgt. Grundsätzlich muss die Dosis von einem Arzt individuell festgelegt werden. Sie kann somit von den hier erwähnten Angaben abweichen.

Antidepressiva werden langsam „eingeschlichen“. Das heisst, dass zu Beginn die niedrigste Dosis verabreicht und diese anschliessend (nach einigen Tagen/Wochen) schrittweise bis zur Zieldosis gesteigert wird. Bei einem positiven Ansprechen auf das Medikament, sollte die Einnahme mind. 6 Monate nach dem Abklingen sämtlicher Symptome weitergeführt werden. Ist anschliessend keine Rezidivprophylaxe (vorsorgliche Einnahme zur Verhütung eines Rückfalls) notwendig, kann das Antidepressivum schrittweise unter ärztlicher Kontrolle wieder abgesetzt werden.

Ändern Sie nie die Dosis im Alleingang (weder erhöhen noch reduzieren), auch wenn sich Ihr Gesundheitszustand verändert hat. Halten Sie immer zunächst Rücksprache mit Ihrem Arzt!

Pharmakokinetik

max. Plasmakonzentration: nach 8-24 Stunden

Halbwertszeit: 27-58 Stunden

Bioverfügbarkeit: 66-70%

Wirkungseintritt: nach 2-4 Wochen täglicher Einnahme

Diese Werte sind als Durchschnittswerte anzusehen. Je nach Alter, Nahrungsaufnahme und der Kombination mit anderen Medikamenten können diese Werte (teilweise stark) variieren.

Nebenwirkungen

Sehr häufig (mehr als 10%): Schläfrigkeit, Müdigkeit, Unruhe- und Erregungszustände, Benommenheit, Kopfschmerzen, Zittern (Tremor), Muskelzuckungen, Schwindel, Mundtrockenheit, Verstopfungen, erschwertes Wasserlassen, Harnverhalt.

Häufig (1-10%): Gewichtszunahme, Aggressivität, Albträume, Angstzustände, gesteigerter Appetit, Gedächtnisstörungen, Konzentrationsstörungen, Manie, Hypomanie, Schlafstörungen, Depressionen bzw. deren Verschlechterung, Tagesmüdigkeit, sexuelle Funktionsstörungen (inkl. Libidoverlust), Sprechstörungen, Missempfindungen der Haut (Kribbeln, Taubheitsgefühl etc.), Herzrasen, Herzklopfen, EKG-Veränderungen, Bewusstlosigkeit, niedriger Blutdruck, Erbrechen, Verdauungsstörungen, Hautausschläge (inkl. Nesselsucht), Lichtempfindlichkeit der Haut, Hautblutungen, Schwitzen, Hitzewallungen.

Gelegentlich (0.1-1%): Verwirrtheit, Halluzinationen, Nervosität, Delirium, motorische Unruhe, Bewegungsstörungen, epileptische Anfälle, grüner Star, Herzklopfen, hoher Blutdruck, Erregungsleitungsstörungen des Herzens, Durchfall, abnormale Leberfunktionswerte, Ödeme, Fieber.

Selten (0.01-0.1%): keine

Weitere (sehr seltene Nebenwirkungen/Einzelfälle/Häufigkeit unbekannt): Veränderung von Blutwerten (Leukopenie, Agranulozytose, Thorombozytopenie, Eosinophilie), Vergrösserung der Brustdrüse beim Mann, Milchfluss ohne Schwangerschaft/Stillzeit, SIADH, Psychosen, Unwirklichkeits- und Entfremdungsgefühle (Depersonalisation/Derealisation), EEG-Veränderungen, Koordinationsstörungen, Tinnitus, Gefühl einer verstopften Nase, allergische Entzündung der Lungenbläschen, Verkrampfungen der Bronchien, Zahnkaries, verändertes Geschmacksempfinden, Entzündung der Mundschleimhaut, Hepatitis (inkl. Gelbsucht), Gefässentzündungen, Haarausfall, Suizidgedanken.

Menschen mit Depressionen und/oder Angststörungen gehen oft automatisch davon aus, sämtliche und/oder die schwersten Nebenwirkungen zu entfalten. Diese Annahme ist objektiv nicht begründet. Üblicherweise lassen die meisten (nicht alle) unerwünschten Wirkungen mit der Zeit nach oder verschwinden ganz. Bei schwerwiegenden Komplikationen muss jedoch ein Arzt konsultiert werden.

Kontraindikationen & Wechselwirkungen

Fragen Sie, bevor Sie Medikamente einnehmen immer Ihren Arzt oder Apotheker bezüglich Nebenwirkungen, Kontraindikationen (Gegenanzeigen) und Wechselwirkungen mit anderen (auch frei verkäuflichen) Medikamenten.

 

Nicht einnehmen dürfen Sie Maproptilin :

  • Wenn Sie allergisch gegenüber einem Inhaltsstoff Ihres Maproptilin-Präparates sind.
  • Wenn Sie gleichzeitig MAO-Hemmer einnehmen oder in den vergangenen 14 Tagen eingenommen haben. Dazu gehören unter anderem Selegilin (zur Behandlung der Parkinson Krankheit), Moclobemid oder Tranylcypromin (zur Behandlung von Depressionen), Linezolid (ein Antibiotikum zur Behandlung schwerster, komplizierter Infektionen).
  • Wenn Sie kürzlich einen Herzinfarkt erlitten haben.
  • Bei einer Erregungsleitungsstörung des Herzens.
  • Bei akuter Alkohol-, Schlafmittel-, Schmerzmittel- und Psychopharmaka-Vergiftungen.
  • Wenn sie unter Harnverhalt (Unvermögen Wasser zu lassen) leiden.
  • Bei akuten Delirien (Verwirrtheits- und Erregungszustände mit Sinnestäuschungen und z. T. schweren körperlichen Störungen).
  • Bei akuter Manie oder wenn Sie bereits einmal manische Zustände hatten.
  • Bei unbehandeltem erhöhtem Augeninnendruck (Engwinkelglaukom).
  • Bei Vergrösserung der Vorsteherdrüse mit Restharnbildung (Prostatahypertrophie mit Restharnbildung).
  • Bei Verengung des Magenausgangs (Pylorusstenose).
  • Bei Darmlähmung (paralytischer Ileus).
  • Bei schweren Leber- oder Nierenfunktionsstörungen
  • Wenn Sie unter Epilepsie leiden oder früher einmal gelitten haben.
  • Bei Störungen der Blutdruckregulation.

 

Bei der Einnahme von Maproptilin ist Vorsicht geboten…

  • Wenn Sie unter Leber- oder Nierenfunktionsstörungen (auch schwach ausgeprägt) leiden.
  • Wenn Sie eine Vergrösserung der Vorsteherdrüse ohne Restharnbildung (Prostatahypertrophie ohne Restharnbildung) aufweisen.
  • Wenn Sie unter einer Störungen der Blutbildung leiden.
  • Wenn Sie unter Alkoholismus leiden.
  • Wenn die unter Hirnschäden verschiedenster Ursachen leiden.
  • Wenn Ihr Herz-Kreislauf-System Schwächen aufweist.
  • Wenn Sie unter Stoffwechselerkrankungen wie beispielsweise einer Schilddüsenfunktionsstörung oder Diabetes leiden.

 

Maproptilin soll mit den folgenden Arzneimitteln nur mit Vorsicht angewendet werden:

  • Andere Antidepressiva (inkl. Johannniskraut)
  • Benzodiazepine
  • Barbituriate
  • Anästhetika (Narkosemittel)
  • Schilddrüsenhormone
  • Medikamente mit einer anticholinergen Wirkung (inkl. Atropin)
  • Bestimmte Arzneimittel, die das Organsystem beeinflussen wie beispielsweise Adrenalin oder Ephedrin (auch in rezeptfreien Erkältungsmitteln und Nasensprays enthalten).
  • Antihypertensiva wie beispielsweise Guanethidin, Betanidin, Clonidin, Reserpin oder Alpha-Methyldopa
  • Medikamenten zur Regulierung des Herzschlags (Antiarrhythmika)
  • Arzneimittel, welche das QTc-Intervall verlängern.
  • Neuroleptika
  • Thiroidazin
  • Phenothiazine (eine Gruppe der Psychopharmaka)
  • Cimetidin (Mittel gegen Magengeschwüre)
  • Methylphenidat (z.B. Ritalin)
  • Medikamente, die das Monooxygenasesystem der Leber aktivieren (z. B.  Phenytoin, Carbamazepin, orale Kontrazeptiva).
  • Antiepileptika
  • Cumarinstoffe (Blutgerinnungshemmer)
  • Insulin oder Sulfonylharnstoffen (Antidiabetika)

Diese Liste entspricht den aktuell verfügbaren Informationen, weitere Interaktionen und Kontraindikationen sind allerdings keineswegs auszuschliessen! Sprechen Sie unbedingt Ihren Arzt auf bestehende Erkrankungen und Veränderungen Ihrer Medikation (betrifft auch rezeptfreie Präparate) an, auch wenn auf dieser Liste keine Informationen vermerkt sind.

 

Schwangerschaft & Stillzeit

 

Es liegen keine Daten mit Maprotilin aus klinisch kontrollierten Studien bei schwangeren Frauen vor. Der Gebrauch von Maprotilin wird daher nicht empfohlen.

Falls Maprotilin bis zur oder kurz vor der Geburt verabreicht wird, wird eine postnatale Überwachung des Neugeborenen empfohlen, um möglichen Entzugserscheinungen Rechnung zu tragen.

Ist eine Behandlung während der Stillzeit notwendig, soll abgestillt werden.

Studien

Vergleich mit Citalopram: Im Vergleich mit Citalopram war Maprotilin bei endogenen und anderen Depressionsformen gleich wirksam. Dies geht aus einer sechswöchigen Doppelblindstudie mit 96 Patienten hervor. Die verabreichten Dosen lagen bei Citalopram zwischen 40 und 60 mg, bei Maprotilin zwischen 75 und 150 mg. Am Studienende fanden sich 75% der Patienten, die gut bis sehr gut auf die Therapie angesprochen hatten. Eine kleinere Studie (mit 29 Patienten) bestätigte die Vergleichbarkeit der beiden Medikamente, konnte aber gesamthaft einen kleineren therapeutischen Erfolg zeigen: bei rund 50% der Patienten war nur eine mässige bis gute Verbesserung des Zustandes zu beobachten.

Vergleich mit Johanniskraut: In Praxen von Neurologen oder Psychiatern wurde Johanniskraut (LI 160) in einer vierwöchigen Doppelblindstudie mit Maprotilin (Ludiomil®) verglichen. 102 Personen mit mittelstark ausgeprägten Depression erhielten 3x 300 mg LI 160 oder 3x 25 mg Maprotilin täglich. Es wurden drei Depressions-Skalen zur Beurteilung verwendet. Unter LI 160 wurde die Punktezahl auf der Hamilton-Skala durchschnittlich von 20,5 auf 12,2 Punkte gesenkt. Die Behandlung mit Maprotilin führte zu einer Verbesserung von 21,5 auf 10,5 Punkte. In beiden Behandlungsgruppen fanden sich etwa gleich viele Leute, die nicht auf die Behandlung ansprachen. Die Wirkung von Maprotilin scheint schneller einzusetzen als diejenige von Johanniskraut.

Bedenken Sie, dass die Studien keine Aussage über das Ansprechen einer individuellen Person aussagt.

Der Autor hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt.
Dieses Medikament ist rezeptpflichtig. Die Einnahme muss ärztlich überwacht werden.

Maprotilin

tetrazyklisches Antidepressivum | Handelsnamen: Ludiomil, Maprolu sowie div. Generika

Allgemeine Informationen

Maprotilin wurde 1972 von der Schweizer Firma Novartis entwickelt und auf den Markt gebracht.

Maprotilin ist ein tetrazyklisches Antidepressivum (Tetrazyklika) und wird primär unter den Handelsnamen Ludiomil und Maprolu vertrieben. Auch als Generikum ist es erhältlich. Das Medikament zeigt eine starke (nicht selektive) Wiederaufnahmehemmung von Noradrenalin aus dem synaptischen Spalt, jedoch keine nennenswerte von Serotonin. Zugelassen ist Maprotilin ab dem 18. Altersjahr zur Behandlung von Depressionen. Durch das Medikament ist eine Beeinträchtigung der Fahrtüchtigkeit und dem Bedienen von Maschinen möglich. Die Wirkungen von Alkohol kann bei gleichzeitiger Einnahme von Maprotilin verstärkt werden.

Die kaum nachweisbare anticholinerge Wirkung bietet einen Vorteil gegenüber trizyklischen Antidepressiva, weil es dadurch zu weniger unerwünschten Wirkungen auf das vegetative Nervensystem kommt.

Seit der Markteinführung von Mirtazapin (ebenfalls ein tetrazyklischen Antidepressivum) wird Maprotilin nur noch selten verwendet.

Indikation
  • Depression
Dosierung & Anwendung

Einnahme: 1-3x täglich.
Die Einnahme muss täglich erfolgen.

Zieldosis: 25-150mg (pro Tag)

Die hier erwähnte Dosierung bezieht sich auf Erwachsene ohne körperliche Einschränkungen im Alter zwischen 18 und 65 Jahren deren Behandlung ambulant erfolgt. Grundsätzlich muss die Dosis von einem Arzt individuell festgelegt werden. Sie kann somit von den hier erwähnten Angaben abweichen.

Antidepressiva werden langsam „eingeschlichen“. Das heisst, dass zu Beginn die niedrigste Dosis verabreicht und diese anschliessend (nach einigen Tagen/Wochen) schrittweise bis zur Zieldosis gesteigert wird. Bei einem positiven Ansprechen auf das Medikament, sollte die Einnahme mind. 6 Monate nach dem Abklingen sämtlicher Symptome weitergeführt werden. Ist anschliessend keine Rezidivprophylaxe (vorsorgliche Einnahme zur Verhütung eines Rückfalls) notwendig, kann das Antidepressivum schrittweise unter ärztlicher Kontrolle wieder abgesetzt werden.

Ändern Sie nie die Dosis im Alleingang (weder erhöhen noch reduzieren), auch wenn sich Ihr Gesundheitszustand verändert hat. Halten Sie immer zunächst Rücksprache mit Ihrem Arzt!

Pharmakokinetik

max. Plasmakonzentration: 8-24 Stunden

Halbwertszeit: 27-58 Stunden

Bioverfügbarkeit: 66-70%

Wirkungseintritt: 2-4 Wochen

Diese Werte sind als Durchschnittswerte anzusehen. Je nach Alter, Nahrungsaufnahme und der Kombination mit anderen Medikamenten können diese Werte (teilweise stark) variieren.

Nebenwirkungen

Sehr häufig (mehr als 10%):

  • Schläfrigkeit
  • Müdigkeit
  • Unruhe- und Erregungszustände
  • Benommenheit
  • Kopfschmerzen
  • Zittern (Tremor)
  • Muskelzuckungen
  • Schwindel
  • Mundtrockenheit
  • Verstopfungen
  • Erschwertes Wasserlassen
  • Harnverhalt

Häufig (1-10%):

  • Gewichtszunahme
  • Aggressivität
  • Albträume
  • Angstzustände
  • Gesteigerter Appetit
  • Gedächtnisstörungen
  • Konzentrationsstörungen
  • Manie/Hypomanie
  • Schlafstörungen
  • Depressionen bzw. deren Verschlechterung
  • Tagesmüdigkeit
  • Sexuelle Funktionsstörungen (inkl. Libidoverlust)
  • Sprechstörungen
  • Missempfindungen der Haut (Kribbeln, Taubheitsgefühl etc.)
  • Herzrasen
  • Herzklopfen
  • EKG-Veränderungen
  • Bewusstlosigkeit
  • Niedriger Blutdruck
  • Erbrechen
  • Verdauungsstörungen
  • Hautausschläge (inkl. Nesselsucht)
  • Lichtempfindlichkeit der Haut
  • Hautblutungen
  • Schwitzen
  • Hitzewallungen

Gelegentlich (0.1-1%):

  • Verwirrtheit
  • Halluzinationen
  • Nervosität
  • Delirium
  • Motorische Unruhe
  • Bewegungsstörungen
  • Epileptische Anfälle
  • Grüner Star
  • Herzklopfen
  • Hoher Blutdruck
  • Erregungsleitungsstörungen des Herzens
  • Durchfall
  • Abnormale Leberfunktionswerte
  • Ödeme
  • Fieber

Selten (0.01-0.1%):

  • keine

Weitere (sehr seltene Nebenwirkungen / Einzelfälle / Häufigkeit unbekannt):

  • Veränderung von Blutwerten (Leukopenie, Agranulozytose, Thorombozytopenie, Eosinophilie)
  • Vergrösserung der Brustdrüse beim Mann
  • Milchfluss ohne Schwangerschaft/Stillzeit
  • SIADH
  • Psychosen
  • Unwirklichkeits- und Entfremdungsgefühle (Depersonalisation/Derealisation)
  • EEG-Veränderungen
  • Koordinationsstörungen
  • Tinnitus
  • Gefühl einer verstopften Nase
  • Allergische Entzündung der Lungenbläschen
  • Verkrampfungen der Bronchien
  • Zahnkaries
  • Verändertes Geschmacksempfinden
  • Entzündung der Mundschleimhaut
  • Hepatitis (inkl. Gelbsucht)
  • Gefässentzündungen
  • Haarausfall
  • Suizidgedanken

Menschen mit Depressionen und/oder Angststörungen gehen oft automatisch davon aus, sämtliche und/oder die schwersten Nebenwirkungen zu entfalten. Diese Annahme ist objektiv nicht begründet. Üblicherweise lassen die meisten (nicht alle) unerwünschten Wirkungen mit der Zeit nach oder verschwinden ganz. Bei schwerwiegenden Komplikationen muss jedoch ein Arzt konsultiert werden.

 

Kontraindikationen & Wechselwirkungen

Fragen Sie, bevor Sie Medikamente einnehmen immer Ihren Arzt oder Apotheker bezüglich Nebenwirkungen, Kontraindikationen (Gegenanzeigen) und Wechselwirkungen mit anderen (auch frei verkäuflichen) Medikamenten.

 

Nicht einnehmen dürfen Sie Maproptilin :

  • Wenn Sie allergisch gegenüber einem Inhaltsstoff Ihres Maproptilin-Präparates sind.
  • Wenn Sie gleichzeitig MAO-Hemmer einnehmen oder in den vergangenen 14 Tagen eingenommen haben. Dazu gehören unter anderem Selegilin (zur Behandlung der Parkinson Krankheit), Moclobemid oder Tranylcypromin (zur Behandlung von Depressionen), Linezolid (ein Antibiotikum zur Behandlung schwerster, komplizierter Infektionen).
  • Wenn Sie kürzlich einen Herzinfarkt erlitten haben.
  • Bei einer Erregungsleitungsstörung des Herzens.
  • Bei akuter Alkohol-, Schlafmittel-, Schmerzmittel- und Psychopharmaka-Vergiftungen.
  • Wenn sie unter Harnverhalt (Unvermögen Wasser zu lassen) leiden.
  • Bei akuten Delirien (Verwirrtheits- und Erregungszustände mit Sinnestäuschungen und z. T. schweren körperlichen Störungen).
  • Bei akuter Manie oder wenn Sie bereits einmal manische Zustände hatten.
  • Bei unbehandeltem erhöhtem Augeninnendruck (Engwinkelglaukom).
  • Bei Vergrösserung der Vorsteherdrüse mit Restharnbildung (Prostatahypertrophie mit Restharnbildung).
  • Bei Verengung des Magenausgangs (Pylorusstenose).
  • Bei Darmlähmung (paralytischer Ileus).
  • Bei schweren Leber- oder Nierenfunktionsstörungen
  • Wenn Sie unter Epilepsie leiden oder früher einmal gelitten haben.
  • Bei Störungen der Blutdruckregulation.

 

Bei der Einnahme von Maproptilin ist Vorsicht geboten…

  • Wenn Sie unter Leber- oder Nierenfunktionsstörungen (auch schwach ausgeprägt) leiden.
  • Wenn Sie eine Vergrösserung der Vorsteherdrüse ohne Restharnbildung (Prostatahypertrophie ohne Restharnbildung) aufweisen.
  • Wenn Sie unter einer Störungen der Blutbildung leiden.
  • Wenn Sie unter Alkoholismus leiden.
  • Wenn die unter Hirnschäden verschiedenster Ursachen leiden.
  • Wenn Ihr Herz-Kreislauf-System Schwächen aufweist.
  • Wenn Sie unter Stoffwechselerkrankungen wie beispielsweise einer Schilddüsenfunktionsstörung oder Diabetes leiden.

 

Maproptilin soll mit den folgenden Arzneimitteln nur mit Vorsicht angewendet werden:

  • Andere Antidepressiva (inkl. Johannniskraut)
  • Benzodiazepine
  • Barbituriate
  • Anästhetika (Narkosemittel)
  • Schilddrüsenhormone
  • Medikamente mit einer anticholinergen Wirkung (inkl. Atropin)
  • Bestimmte Arzneimittel, die das Organsystem beeinflussen wie beispielsweise Adrenalin oder Ephedrin (auch in rezeptfreien Erkältungsmitteln und Nasensprays enthalten).
  • Antihypertensiva wie beispielsweise Guanethidin, Betanidin, Clonidin, Reserpin oder Alpha-Methyldopa
  • Medikamenten zur Regulierung des Herzschlags (Antiarrhythmika)
  • Arzneimittel, welche das QTc-Intervall verlängern.
  • Neuroleptika
  • Thiroidazin
  • Phenothiazine (eine Gruppe der Psychopharmaka)
  • Cimetidin (Mittel gegen Magengeschwüre)
  • Methylphenidat (z.B. Ritalin)
  • Medikamente, die das Monooxygenasesystem der Leber aktivieren (z. B.  Phenytoin, Carbamazepin, orale Kontrazeptiva).
  • Antiepileptika
  • Cumarinstoffe (Blutgerinnungshemmer)
  • Insulin oder Sulfonylharnstoffen (Antidiabetika)

Diese Liste entspricht den aktuell verfügbaren Informationen, weitere Interaktionen und Kontraindikationen sind allerdings keineswegs auszuschliessen! Sprechen Sie unbedingt Ihren Arzt auf bestehende Erkrankungen und Veränderungen Ihrer Medikation (betrifft auch rezeptfreie Präparate) an, auch wenn auf dieser Liste keine Informationen vermerkt sind.

 

Schwangerschaft & Stillzeit

 

Es liegen keine Daten mit Maprotilin aus klinisch kontrollierten Studien bei schwangeren Frauen vor. Der Gebrauch von Maprotilin wird daher nicht empfohlen.

Falls Maprotilin bis zur oder kurz vor der Geburt verabreicht wird, wird eine postnatale Überwachung des Neugeborenen empfohlen, um möglichen Entzugserscheinungen Rechnung zu tragen.

Ist eine Behandlung während der Stillzeit notwendig, soll abgestillt werden.

Studien

Vergleich mit Citalopram: Im Vergleich mit Citalopram war Maprotilin bei endogenen und anderen Depressionsformen gleich wirksam. Dies geht aus einer sechswöchigen Doppelblindstudie mit 96 Patienten hervor. Die verabreichten Dosen lagen bei Citalopram zwischen 40 und 60 mg, bei Maprotilin zwischen 75 und 150 mg. Am Studienende fanden sich 75% der Patienten, die gut bis sehr gut auf die Therapie angesprochen hatten. Eine kleinere Studie (mit 29 Patienten) bestätigte die Vergleichbarkeit der beiden Medikamente, konnte aber gesamthaft einen kleineren therapeutischen Erfolg zeigen: bei rund 50% der Patienten war nur eine mässige bis gute Verbesserung des Zustandes zu beobachten.

Vergleich mit Johanniskraut: In Praxen von Neurologen oder Psychiatern wurde Johanniskraut (LI 160) in einer vierwöchigen Doppelblindstudie mit Maprotilin (Ludiomil®) verglichen. 102 Personen mit mittelstark ausgeprägten Depression erhielten 3x 300 mg LI 160 oder 3x 25 mg Maprotilin täglich. Es wurden drei Depressions-Skalen zur Beurteilung verwendet. Unter LI 160 wurde die Punktezahl auf der Hamilton-Skala durchschnittlich von 20,5 auf 12,2 Punkte gesenkt. Die Behandlung mit Maprotilin führte zu einer Verbesserung von 21,5 auf 10,5 Punkte. In beiden Behandlungsgruppen fanden sich etwa gleich viele Leute, die nicht auf die Behandlung ansprachen. Die Wirkung von Maprotilin scheint schneller einzusetzen als diejenige von Johanniskraut.

Bedenken Sie, dass die Studien keine Aussage über das Ansprechen einer individuellen Person aussagt.

Der Autor hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt. Dieses Medikament ist rezeptpflichtig. Die Einnahme muss ärztlich überwacht werden.