Methylphenidat

Stimulanzien (Phenylethylamine) | Handelsnamen: Ritalin, Medikinet, Concerta sowie div. Generika

Allgemeine Informationen

Methylphenidat (kurz MPH) wurde erstmals 1944 von Leandro Panizzon synthetisiert, einem Angestellten der schweizerischen Firma Ciba (heute Novartis). Dieser unternahm -wie zu jener Zeit üblich- diverse Selbstversuche, konnte jedoch keinen medizinischen Nutzen feststellen. Darauf hin beschloss er den neuen Wirkstoff an seiner Ehefrau Marguerite zu testen, welche unter tiefem Blutdruck litt. Marguerite war begeistert von der Wirkung, die u.a. ihre Leistung im Tennisspiel verbesserte. Von Marguerites Spitznamen „Rita“ leitet sich der bekannte Handelsname Ritalin für Methylphenidat ab. 1954 wurde das Medikament für den deutschsprachigen Markt zugelassen. Heute gibt es neben Ritalin diverse Handelsnamen für Methylphendiat wie beispielsweise Medikinet, Concerta und viele weitere.

Methylphenidat ist ein zentralnervöses Stimulans aus der Gruppe der Phenylethylamine und wirkt als selektiver Dopamin und Noradrenalin Wiederaufnahme-Hemmer. Es ist mit den Amphetaminen verwandt, gehört jedoch zur Gruppe der PiperidinDerivate.

Indiziert ist Methylphenidat primär zur Behandlung von ADS und ADHS bei Kindern ab 6 Jahren. In vielen Fällen werden auch Erwachsene damit behandelt. Ferner wird es bei Narkolepsie eingesetzt. Die Anwendung bei Depressionen erfolgt lediglich als Zusatzmedikation im off-label use. Methylphenidat wirkt nicht stimmungsaufhellend, hat jedoch häufig einen positiven Einfluss auf den Antrieb und die Konzentration. Der Einsatz von Ritalin & Co. bei Depressionen ist allerdings umstritten, da diese Medikamente auch einen kontraproduktiven Effekt haben können. Alkohol kann unerwünschte zentralnervöse Effekte von Methylphenidat verstärken. Es ist deshalb ratsam, während der Behandlung auf Alkohol zu verzichten.

Die Substanz macht bei fachgerechter und indikationsbezogener Therapie nicht abhängig. Suchtentwicklungen sind somit absolute Einzelfälle. Bei missbräuchlicher Anwendung hingegen ist das Abhängigkeitspotenzial von Methylphenidat nicht zu unterschätzen, vor allem bei eigenmächtiger Erhöhung der Dosis sowie nasaler oder intravenöser Applikation.

Methylphenidat ist in der EU sowie in der Schweiz offiziell als Betäubungsmittel klassifiziert. Der Besitz ohne ärztliches Rezept ist strafbar. Ebenfalls strafbar ist der Verkauf oder die kostenlose Weitergabe ohne entsprechende Lizenz.

Indikationen
  • ADHS/ADS
  • Narkolepsie
  • Zusatztherapie bei Depressionen (off-label use)
Dosierung & Anwendung

Die folgenden Angaben beruhen auf dem Medikament Ritalin bzw. Ritalin LA/Adult. Bei anderen Methylphenidat-Präparaten kann eine abweichende (meist tiefere) Dosierung vorgegeben sein.

Einnahme von Tabletten mit unmittelbarer Wirkstofffreisetzung:
ca. 45min vor Bedarf (Standartdosis 10mg/Gabe, Maximaldosis 30mg/Gabe).

Einnahme von Kapseln mit kontrollierter Wirkstofffreisetzung:
1-2x täglich Morgens und ggf. Mittags (Standartdosis 20mg/Gabe, Maximaldosis 40mg/Gabe).

Zieldosis Tabletten mit unmittelbarer Wirkstofffreisetzung: 10-60mg (pro Tag)
Zieldosis Kapseln mit kontrollierter Wirkstofffreisetzung: 20-80mg (pro Tag)

Die hier erwähnten Dosierungen beziehen sich auf Erwachsene (nicht Kinder oder Jugendliche!) ohne körperliche Einschränkungen im Alter zwischen 18 und 65 Jahren deren Behandlung ambulant erfolgt. Grundsätzlich muss die Dosis von einem Arzt individuell festgelegt werden. Sie kann somit von den hier erwähnten Angaben abweichen.

Bei Methylphenidat ist kein langsames „Einschleichen“ notwendig, dennoch sollte zu Beginn immer mit der niedrigsten Dosis angefangen werden. So lassen sich Wirkung und Nebenwirkungen abschätzen. Eine abrupter Unterbruch der Therapie oder ein abruptes Absetzen ist möglich, doch muss in gewissen Fällen mit einem vorübergehenden Rebound-Effekt (der verstärkten Rückkehr der ursprünglichen Symptome) gerechnet werden.

Ändern Sie nie die Dosis im Alleingang (weder erhöhen noch reduzieren), auch wenn sich Ihr Gesundheitszustand verändert hat. Halten Sie immer zunächst Rücksprache mit Ihrem Arzt!

Pharmakokinetik

max. Plasmakonzentration: nach 1-3 Stunden

Halbwertszeit: ca. 2 Stunden

Bioverfügbarkeit: 14-30%

Wirkungseintritt: nach 30-60 Minuten einmaliger Einnahme

Wirkdauer: 4-6 Stunden (unmittelbare Wirkstofffreisetzung) / 6-12 Stunden (kontrollierte Wirkstofffreisetzung)

Diese Werte sind als Durchschnittswerte anzusehen. Je nach Alter, Nahrungsaufnahme und der Kombination mit anderen Medikamenten können diese Werte (teilweise stark) variieren.

Nebenwirkungen

Sehr häufig (mehr als 10%): Entzündung der Nasen- und Rachenschleimhaut, verminderter Appetit, Schlaflosigkeit, Nervosität, Übelkeit, Mundtrockenheit.

Häufig (1-10%): Abnormales Verhalten, Aggression, Erregung, Ängstlichkeit, Depressionen bzw. deren Verschlechterung, Reizbarkeit, Rastlosigkeit, Kopfschmerzen, Schläfrigkeit, Schwindel, Störungen von Bewegungsabläufen, Tremor (Zittern), Herzrasen, Herzklopfen, Herzrhythmusstörungen, Veränderungen von Blutdruck und Herzfrequenz (meist Erhöhung), Husten, Bauchschmerzen, Magenbeschwerden, Erbrechen, Verdauungsstörungen, Zahnschmerzen, Hautausschläge, Nesselsucht, Juckreiz, Fieber, bleibender Haarausfall, Gelenkschmerzen, Unruhe, Gewichtsabnahme.

Gelegentlich (0.1-1%): Appetitverlust, verminderte Gewichts- und Grössenzunahme bei der Langzeittherapie von Kindern, Schwitzen.

Selten (0.01-0.1%): Probleme beim Anpassen der Sehschärfe, verschwommenes Sehen, Angina pectoris.

Weitere (sehr seltene Nebenwirkungen/Einzelfälle/Häufigkeit unbekannt): Psychosen, Halluzinationen, psychomotorische Unruhe, Bewusstseinsstörungen, Rachenschmerzen, Kehlkopfschmerzen, Durchfall, Verstopfungen, Suizidgedanken, stereotype Verhaltensweise, Bewegungsstörungen, Tics, Nervenausfälle, Migräne, malignes neuroleptisches Syndrom (MNS), Herzinfarkt, plötzlicher Herztod, Blutungen allgemein, Vaskulitis, Raynaud-Syndrom, Kältegefühl, Leberfunktionsstörungen, gefährliche Hautreaktionen (Exfoliative Dermatitis, Steven-Johnson-Syndrom, Erythema multiforme), Hämaturie, Vergrösserung der Brustdrüse beim Mann, Dauererektion, veränderte Blutwerte (Leukopenie, Thrombozytopenie, Anämie), Angioödem, Anaphylaxie, epileptische Anfälle, Tourette-Syndrom, zerebrale Arteritis und/oder Okklusion, Hirnblutungen, Blutungen der Haut und/oder Schleimhäute, Muskelkrämpfe, Serotonin-Syndrom.

Menschen mit Depressionen und/oder Angststörungen gehen oft automatisch davon aus, sämtliche und/oder die schwersten Nebenwirkungen zu entfalten. Diese Annahme ist objektiv nicht begründet. Üblicherweise lassen die meisten (nicht alle) unerwünschten Wirkungen mit der Zeit nach oder verschwinden ganz. Bei schwerwiegenden Komplikationen muss jedoch ein Arzt konsultiert werden.

Kontraindikationen & Wechselwirkungen

Fragen Sie, bevor Sie Medikamente einnehmen immer Ihren Arzt oder Apotheker bezüglich Nebenwirkungen, Kontraindikationen (Gegenanzeigen) und Wechselwirkungen mit anderen (auch frei verkäuflichen) Medikamenten.

 

Nicht einnehmen dürfen Sie Methylphenidat:

  • Wenn Sie allergisch gegenüber einem Inhaltsstoff Ihres Methlyphenidat-Präparates sind.
  • Wenn Sie an ausgeprägten Angst-, Spannungs- und Erregungszuständen leiden.
  • Wenn Sie unter einer schweren Depression leiden und/oder suizidal sind.
  • Wenn Sie unter einer Psychose leiden oder bei Ihnen früher einmal eine Psychose festgestellt wurde.
  • Wenn Sie zu Suchterkrankungen neigen, aktuell suchtkrank sind oder es früher einmal waren (inkl. Alkoholismus).
  • Wenn bei ihnen oder einem Familienmitglied das Tourette-Syndrom (Tics) diagnostiziert wurde.
  • Wenn Sie ein Glaukom (grüner Star) haben (erhöhter Augeninnendruck).
  • Wenn Sie unter einem Phäochromozytom (seltene Tumorerkrankung der Nebenniere) leiden.
  • Wenn Sie an einer Erkrankung der Schilddrüse (Hyperthyreose) leiden.
  • Wenn Sie an Herzbeschwerden leiden.
  • Wenn Sie bereits einmal einen Herzinfarkt hatten.
  • Wenn Sie unter Erkrankungen leiden, die Herzbeschwerden verursachen können.
  • Wenn Sie unter schwerem Bluthochdruck leiden.
  • Wenn Sie an einer arteriellen Durchblutungsstörungen leiden.
  • Wenn Sie an Veränderungen der Blutgefässe des Kopfes leiden oder einen Schlaganfall erlitten haben.
  • Wenn Sie gegenwärtig sogenannte MAO-Hemmer (Arzneimittel gegen Depressionen, Parkinson etc.) einnehmen oder innerhalb der letzten 14 Tage eingenommen haben.

 

Bei der Einnahme von Methlyphenidat ist umgehend ein Arzt zu kontaktieren….

  • Wenn Aggressionen neu auftreten oder verstärkt werden.
  • Wenn Sie Bewegungstics (schwer zu kontrollierende, wiederholte Muskelzuckungen beliebiger Körperteile) oder verbale Tics (schwer zu kontrollierende, wiederholte Äusserungen von Lauten oder Wörtern) aufweisen.
  • Wenn Sie abnorme Gedanken oder Visionen haben sowie abnorme Laute hören.
  • Wenn Sie Krampfanfälle bekommen.
  • Wenn Sie ungewöhnliche lang anhaltende (mehr als 2 Stunden) oder häufige schmerzhafte Erektionen haben.
  • Wenn Sie plötzlich sehr hohen Blutdruck haben.
  • Wenn plötzlich Sehtrübungen bzw. Sehstörungen auftreten.

 

Methylphenidat soll mit den folgenden Arzneimitteln nur mit Vorsicht angewendet werden:

  • Antidepressiva aller Art (inkl. Johanniskraut)
  • Lithium
  • Tryptophan
  • Antiepileptika
  • Neuroleptika
  • Blutverdünner
  • Gewisse Arzneimittel gegen Migräne (Triptane)
  • Gewisse Schmerzmittel (z.B. Tramadol, Fentanyl und Tapentadol)
  • Methadon (zur Heroinsubstitution)
  • Dextromethorphan (vielfach in frei verkäuflichen Hustenstiller enthalten)
  • Arzneimittel, die den Blutdruck erhöhen
  • Arzneimittel mit dem Wirkstoff Clonidin (zur Blutdrucksenkung)
  • Antihypertensiva (Blutdrucksenker)

Diese Liste entspricht den aktuell verfügbaren Informationen, weitere Interaktionen und Kontraindikationen sind allerdings keineswegs auszuschliessen! Sprechen Sie unbedingt Ihren Arzt auf bestehende Erkrankungen und Veränderungen Ihrer Medikation (betrifft auch rezeptfreie Präparate) an, auch wenn auf dieser Liste keine Informationen vermerkt sind.

 

Schwangerschaft & Stillzeit

Es liegen keine hinreichenden Erfahrungen bezüglich der Anwendung von Methylphenidat bei schwangeren Frauen vor. Die Substanz darf schwangeren Frauen nicht verabreicht werden, es sei denn, dies ist eindeutig notwendig.

Fallberichte zeigten, dass Methylphenidat in die Muttermilch übertrat und ein Milch-Plasma-Verhältnis von ungefähr 2.5 erreichte. Ist die Einnahme von Methylphenidat zwingend notwendig, soll abgestillt werden.

Der Autor hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt.
Methylphenidat ist in allen deutschsprachigen Staaten gesetzlich als Betäubungsmittel klassifiziert. Der Besitz
ohne ärztliches Rezept sowie der Handel und die kostenlose Weitergabe ohne Lizenz sind strafbar.
Dieses Medikament ist rezeptpflichtig. Die Einnahme muss ärztlich überwacht werden.

Stand der Information: Dezember 2017

Methylphenidat

Stimulanzien (Phenylethylamine) | Handelsnamen: Ritalin, Medikinet, Concerta sowie div. Generika

Allgemeine Informationen

Methylphenidat (kurz MPH) wurde erstmals 1944 von Leandro Panizzon synthetisiert, einem Angestellten der schweizerischen Firma Ciba (heute Novartis). Dieser unternahm -wie zu jener Zeit üblich- diverse Selbstversuche, konnte jedoch keinen medizinischen Nutzen feststellen. Darauf hin beschloss er den neuen Wirkstoff an seiner Ehefrau Marguerite zu testen, welche unter tiefem Blutdruck litt. Marguerite war begeistert von der Wirkung, die u.a. ihre Leistung im Tennisspiel verbesserte. Von Marguerites Spitznamen „Rita“ leitet sich der bekannte Handelsname Ritalin für Methylphenidat ab. 1954 wurde das Medikament für den  deutschsprachigen Markt zugelassen. Heute gibt es neben Ritalin diverse Handelsnamen für Methylphendiat wie beispielsweise Medikinet, Concerta und viele weitere.

Methylphenidat ist ein zentralnervöses Stimulans aus der Gruppe der Phenylethylamine und wirkt als selektiver Dopamin und Noradrenalin Wiederaufnahme-Hemmer. Es ist mit den Amphetaminen verwandt, gehört jedoch zur Gruppe der PiperidinDerivate.

Indiziert ist Methylphenidat primär zur Behandlung von ADS und ADHS bei Kindern ab 6 Jahren. In vielen Fällen werden auch Erwachsene damit behandelt. Ferner wird es bei Narkolepsie eingesetzt. Die Anwendung bei Depressionen erfolgt lediglich als Zusatzmedikation im off-label use. Methylphenidat wirkt nicht stimmungsaufhellend, hat jedoch häufig einen positiven Einfluss auf den Antrieb und die Konzentration. Der Einsatz von Ritalin & Co. bei Depressionen ist allerdings umstritten, da diese Medikamente auch einen kontraproduktiven Effekt haben können. Alkohol kann unerwünschte zentralnervöse Effekte von Methylphenidat verstärken. Es ist deshalb ratsam, während der Behandlung auf Alkohol zu verzichten.

Die Substanz macht bei fachgerechter und indikationsbezogener Therapie nicht abhängig. Suchtentwicklungen sind somit absolute Einzelfälle. Bei missbräuchlicher Anwendung hingegen ist das Abhängigkeitspotenzial von Methylphenidat nicht zu unterschätzen, vor allem bei eigenmächtiger Erhöhung der Dosis sowie nasaler oder intravenöser Applikation.

Methylphenidat ist in der EU sowie in der Schweiz offiziell als Betäubungsmittel klassifiziert. Der Besitz ohne ärztliches Rezept ist strafbar. Ebenfalls strafbar ist der Verkauf oder die kostenlose Weitergabe ohne entsprechende Lizenz.

Indikationen
  • ADHS/ADS
  • Narkolepsie
  • Zusatztherapie bei Depressionen (off-label use)
Dosierung & Anwendung

Die folgenden Angaben beruhen auf dem Medikament Ritalin bzw. Ritalin LA/Adult. Bei anderen Methylphenidat-Präparaten kann eine abweichende (meist tiefere) Dosierung vorgegeben sein.

Einnahme von Tabletten mit unmitterlbarer Wirkstofffreisetzung:
ca. 45min vor Bedarf (Standartdosis 10mg/Gabe, Maximaldosis 30mg/Gabe).

Einnahme von Kapseln mit kontrollierter Wirkstofffreisetzung:
1-2x täglich Morgens und ggf. Mittags (Standartdosis 20mg/Gabe, Maximaldosis 40mg/Gabe).

Zieldosis Tabletten mit unmittelbarer Wirkstofffreisetzung: 10-60mg (pro Tag)

Zieldosis Kapseln mit kontrollierter Wirkstofffreisetzung: 20-80mg (pro Tag)

Die hier erwähnten Dosierungen beziehen sich auf Erwachsene (nicht Kinder oder Jugendliche!) ohne körperliche Einschränkungen im Alter zwischen 18 und 65 Jahren deren Behandlung ambulant erfolgt. Grundsätzlich muss die Dosis von einem Arzt individuell festgelegt werden. Sie kann somit von den hier erwähnten Angaben abweichen.

Bei Methylphenidat ist kein langsames „Einschleichen“ notwendig, dennoch sollte zu Beginn immer mit der niedrigsten Dosis angefangen werden. So lassen sich Wirkung und Nebenwirkungen abschätzen. Eine abrupter Unterbruch der Therapie oder ein abruptes Absetzen ist möglich, doch muss in gewissen Fällen mit einem vorübergehenden Rebound-Effekt (der verstärkten Rückkehr der ursprünglichen Symptome) gerechnet werden.

Ändern Sie nie die Dosis im Alleingang (weder erhöhen noch reduzieren), auch wenn sich Ihr Gesundheitszustand verändert hat. Halten Sie immer zunächst Rücksprache mit Ihrem Arzt!

Pharmakokinetik

max. Plasmakonzentration: 1-3 Stunden

Halbwertszeit: 2 Stunden

Bioverfügbarkeit: 14-30%

Wirkungseintritt: 30-60 Minuten

Wirkdauer: 4-6 Stunden (unmittelbare Wirkstofffreisetzung) / 6-12 Stunden (kontrollierte Wirkstofffreisetzung)

Diese Werte sind als Durchschnittswerte anzusehen. Je nach Alter, Nahrungsaufnahme und der Kombination mit anderen Medikamenten können diese Werte (teilweise stark) variieren.

Nebenwirkungen

Sehr häufig (mehr als 10%):

  • Entzündung der Nasen- und Rachenschleimhaut
  • Verminderter Appetit
  • Schlaflosigkeit
  • Nervosität
  • Übelkeit
  • Mundtrockenheit

Häufig (1-10%):

  • Abnormales Verhalten
  • Aggression
  • Erregung
  • Ängstlichkeit
  • Depressionen bzw. deren Verschlechterung
  • Reizbarkeit
  • Rastlosigkeit
  • Kopfschmerzen
  • Schläfrigkeit
  • Schwindel
  • Störungen von Bewegungsabläufen
  • Tremor (Zittern)
  • Herzrasen
  • Herzklopfen
  • Herzrhythmusstörungen
  • Veränderungen von Blutdruck und Herzfrequenz (meist Erhöhung)
  • Husten
  • Bauchschmerzen
  • Magenbeschwerden
  • Erbrechen
  • Verdauungsstörungen
  • Zahnschmerzen
  • Hautausschläge
  • Nesselsucht
  • Juckreiz
  • Fieber
  • Bleibender Haarausfall
  • Gelenkschmerzen
  • Unruhe
  • Gewichtsverlust

Gelegentlich (0.1-1%):

  • Appetitverlust
  • Verminderte Gewichts- und Grössenzunahme bei der Langzeittherapie von Kindern
  • Schwitzen

Selten (0.01-0.1%):

  • Probleme beim Anpassen der Sehschärfe
  • Verschwommenes Sehen
  • Angina pectoris

Weitere (sehr seltene Nebenwirkungen / Einzelfälle / Häufigkeit unbekannt):

  • Psychosen
  • Halluzinationen
  • Psychomotorische Unruhe
  • Bewusstseinsstörungen
  • Rachenschmerzen
  • Kehlkopfschmerzen
  • Durchfall
  • Verstopfungen
  • Suizidgedanken
  • Stereotype Verhaltensweise
  • Bewegungsstörungen
  • Tics
  • Nervenausfälle
  • Migräne
  • ;alignes neuroleptisches Syndrom (MNS)
  • Herzinfarkt
  • Plötzlicher Herztod
  • Blutungen allgemein
  • Vaskulitis
  • Raynaud-Syndrom
  • Kältegefühl
  • Leberfunktionsstörungen
  • Gefährliche Hautreaktionen (Exfoliative Dermatitis, Steven-Johnson-Syndrom, Erythema multiforme)
  • Hämaturie
  • Vergrösserung der Brustdrüse beim Mann
  • Dauererektion
  • Veränderte Blutwerte (Leukopenie, Thrombozytopenie, Anämie)
  • Angioödem
  • Anaphylaxie
  • Epileptische Anfälle
  • Tourette-Syndrom
  • Zerebrale Arteritis und/oder Okklusion
  • Hirnblutungen
  • Blutungen der Haut und/oder Schleimhäute
  • Muskelkrämpfe
  • Serotonin-Sydrom

Menschen mit Depressionen und/oder Angststörungen gehen oft automatisch davon aus, sämtliche und/oder die schwersten Nebenwirkungen zu entfalten. Diese Annahme ist objektiv nicht begründet. Üblicherweise lassen die meisten (nicht alle) unerwünschten Wirkungen mit der Zeit nach oder verschwinden ganz. Bei schwerwiegenden Komplikationen muss jedoch ein Arzt konsultiert werden.

Kontraindikationen & Wechselwirkungen

Fragen Sie, bevor Sie Medikamente einnehmen immer Ihren Arzt oder Apotheker bezüglich Nebenwirkungen, Kontraindikationen (Gegenanzeigen) und Wechselwirkungen mit anderen (auch frei verkäuflichen) Medikamenten.

 

Nicht einnehmen dürfen Sie Methylphenidat:

  • Wenn Sie allergisch gegenüber einem Inhaltsstoff Ihres Methlyphenidat-Präparates sind.
  • Wenn Sie an ausgeprägten Angst-, Spannungs- und Erregungszuständen leiden.
  • Wenn Sie unter einer schweren Depression leiden und/oder suizidal sind.
  • Wenn Sie unter einer Psychose leiden oder bei Ihnen früher einmal eine Psychose festgestellt wurde.
  • Wenn Sie zu Suchterkrankungen neigen, aktuell suchtkrank sind oder es früher einmal waren (inkl. Alkoholismus).
  • Wenn bei ihnen oder einem Familienmitglied das Tourette-Syndrom (Tics) diagnostiziert wurde.
  • Wenn Sie ein Glaukom (grüner Star) haben (erhöhter Augeninnendruck).
  • Wenn Sie unter einem Phäochromozytom (seltene Tumorerkrankung der Nebenniere) leiden.
  • Wenn Sie an einer Erkrankung der Schilddrüse (Hyperthyreose) leiden.
  • Wenn Sie an Herzbeschwerden leiden.
  • Wenn Sie bereits einmal einen Herzinfarkt hatten.
  • Wenn Sie unter Erkrankungen leiden, die Herzbeschwerden verursachen können.
  • Wenn Sie unter schwerem Bluthochdruck leiden.
  • Wenn Sie an einer arteriellen Durchblutungsstörungen leiden.
  • Wenn Sie an Veränderungen der Blutgefässe des Kopfes leiden oder einen Schlaganfall erlitten haben.
  • Wenn Sie gegenwärtig sogenannte MAO-Hemmer (Arzneimittel gegen Depressionen, Parkinson etc.) einnehmen oder innerhalb der letzten 14 Tage eingenommen haben.

 

Bei der Einnahme von Methlyphenidat ist umgehend ein Arzt zu kontaktieren….

  • Wenn Aggressionen neu auftreten oder verstärkt werden.
  • Wenn Sie Bewegungstics (schwer zu kontrollierende, wiederholte Muskelzuckungen beliebiger Körperteile) oder verbale Tics (schwer zu kontrollierende, wiederholte Äusserungen von Lauten oder Wörtern) aufweisen.
  • Wenn Sie abnorme Gedanken oder Visionen haben sowie abnorme Laute hören.
  • Wenn Sie Krampfanfälle bekommen.
  • Wenn Sie ungewöhnliche lang anhaltende (mehr als 2 Stunden) oder häufige schmerzhafte Erektionen haben.
  • Wenn Sie plötzlich sehr hohen Blutdruck haben.
  • Wenn plötzlich Sehtrübungen bzw. Sehstörungen auftreten.

 

Methylphenidat soll mit den folgenden Arzneimitteln nur mit Vorsicht angewendet werden:

  • Antidepressiva aller Art (inkl. Johanniskraut)
  • Lithium
  • Tryptophan
  • Antiepileptika
  • Neuroleptika
  • Blutverdünner
  • Gewisse Arzneimittel gegen Migräne (Triptane)
  • Gewisse Schmerzmittel (z.B. Tramadol, Fentanyl und Tapentadol)
  • Methadon (zur Heroinsubstitution)
  • Dextromethorphan (vielfach in frei verkäuflichen Hustenstiller enthalten)
  • Arzneimittel, die den Blutdruck erhöhen
  • Arzneimittel mit dem Wirkstoff Clonidin (zur Blutdrucksenkung)
  • Antihypertensiva (Blutdrucksenker)

Diese Liste entspricht den aktuell verfügbaren Informationen, weitere Interaktionen und Kontraindikationen sind allerdings keineswegs auszuschliessen! Sprechen Sie unbedingt Ihren Arzt auf bestehende Erkrankungen und Veränderungen Ihrer Medikation (betrifft auch rezeptfreie Präparate) an, auch wenn auf dieser Liste keine Informationen vermerkt sind.

 

Schwangerschaft & Stillzeit

Es liegen keine hinreichenden Erfahrungen bezüglich der Anwendung von Methylphenidat bei schwangeren Frauen vor.  Die Substanz darf schwangeren Frauen nicht verabreicht werden, es sei denn, dies ist eindeutig notwendig.

Fallberichte zeigten, dass Methylphenidat in die Muttermilch übertrat und ein Milch-Plasma-Verhältnis von ungefähr 2.5 erreichte. Ist die Einnahme von Methylphenidat zwingend notwendig, soll abgestillt werden.

Der Autor hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt. Methylphenidat ist in allen deutschsprachigen Staaten gesetzlich als Betäubungsmittel klassifiziert. Der Besitz ohne ärztliches Rezept sowie der Handel und die kostenlose Weitergabe ohne Lizenz sind strafbar. Dieses Medikament ist rezeptpflichtig. Die Einnahme muss ärztlich überwacht werden.

Stand der Information: Dezember 2017