Milnacipran

Antidepressivum (SNRI) | Handelsnamen: Milnaneurax und Ixel

Allgemeine Informationen

Milnacipran wurde vom Herstellen Pierre Fabre Médicament patentiert und 1998 in Österreich zugelassen. Später erfolgte die Zulassung in Deutschland (jedoch nicht in der Schweiz).

Das Medikament ist ein Antidepressivum aus der Gruppe der „selektiven Serotonin und Noradrenalin Wiederaufnahme-Hemmer“ (SNRI) und wird unter den Handelsnamen Ixel und Milnaneurax vertrieben. Zugelassen ist es ab dem 18. Altersjahr zur Behandlung von Depressionen.

Auf die Fahrtüchtigkeit und das Bedienen von Maschinen hat Milnacipran keinen Einfluss. Dennoch sollten Sie zunächst abwarten um zu sehen, wie Sie auf die Substanz reagieren. Bezüglich Alkohol sind keine Wechselwirkungen bekannt, dennoch ist Vorsicht geboten.

Zur gleichen Wirkstoffgruppe (SNRI) gehören auch Venlafaxin und Duloxetin. Während Milnacipran die Serotonin- und Noradrenalin-Wiederaufnahme ungefähr gleich stark blockiert, hat Duloxetin eine 10-fach höhere Affinität zu Serotonin (blockiert die Serotonin-Wiederaufnahme also ca. 10x stärker) und Venlafaxin eine 30-fach höhere Affinität zu Serotonin.

Im Unterschied zu Venlafaxin (jedoch nicht zu Duloxetin) hemmt Milnacipran die Noradrenalin-Wiederaufnahme bereits von Beginn weg und nicht erst bei Einnahme einer höheren Dosis.

Indikation
  • Depression
Dosierung & Anwendung

Einnahme: 2x täglich Morgens und Abends unabhängig der Mahlzeiten.
Die Einnahme muss täglich erfolgen (also nicht nur bei unmittelbarem Bedarf).

Zieldosis: 50-150mg (pro Tag)

Die hier erwähnte Dosierung bezieht sich auf Erwachsene ohne körperliche Einschränkungen im Alter zwischen 18 und 65 Jahren deren Behandlung ambulant erfolgt. Grundsätzlich muss die Dosis von einem Arzt individuell festgelegt werden. Sie kann somit von den hier erwähnten Angaben abweichen.

Antidepressiva werden langsam „eingeschlichen“. Das heisst, dass zu Beginn die niedrigste Dosis verabreicht und diese anschliessend (nach einigen Tagen/Wochen) schrittweise bis zur Zieldosis gesteigert wird. Bei einem positiven Ansprechen auf das Medikament, sollte die Einnahme mind. 6 Monate nach dem Abklingen sämtlicher Symptome weitergeführt werden. Ist anschliessend keine Rezidivprophylaxe (vorsorgliche Einnahme zur Verhütung eines Rückfalls) notwendig, kann das Antidepressivum schrittweise unter ärztlicher Kontrolle wieder abgesetzt werden.

Ändern Sie nie die Dosis im Alleingang (weder erhöhen noch reduzieren), auch wenn sich Ihr Gesundheitszustand verändert hat. Halten Sie immer zunächst Rücksprache mit Ihrem Arzt!

 

Pharmakokinetik

max. Plasmakonzentration: nach 0.5-4 Stunden

Halbwertszeit: 6-8 Stunden

Bioverfügbarkeit: ca. 85%

Wirkungseintritt: nach 2-5 Wochen täglicher Einnahme

Diese Werte sind als Durchschnittswerte anzusehen. Je nach Alter, Nahrungsaufnahme und der Kombination mit anderen Medikamenten können diese Werte (teilweise stark) variieren.

Nebenwirkungen

Sehr häufig (mehr als 10%): Übelkeit, Kopfschmerzen.

Häufig (1-10%): Migräne, Zittern, Schwindel, Empfindungsstörungen, Schläfrigkeit, Spüren des Herzschlags, beschleunigter Herzschlag, erhöhter Blutdruck, Hitzewallungen, Agitiertheit, Angst, Essstörungen, Schlafstörungen, Suizidgedanken, Verschlechterung der Depression, Schmerzen, Durchfall, Verstopfung, Mundtrockenheit, Verdauungsstörung, Erbrechen, Juckreiz, Hautausschlag, Schwitzen, Muskelschmerzen, Schwierigkeiten beim Wasserlassen, häufiges Wasserlassen, sexuelle Funktionsstörungen (inkl. Libidoverlust), Hodenschmerzen, Müdigkeit.

Gelegentlich (0.1-1%): Überempfindlichkeitsreaktionen, erhöhte Fettwerte im Blut, Gewichtsabnahme, Panikattacken, Verwirrtheit, Wahnvorstellungen, Halluzinationen, Manie, abnormale Träume, Gedächtnisstörungen, Gefühl der Ruhelosigkeit, Gleichgewichtsstörungen, verändertes Geschmacksempfinden, Ohnmachtsanfälle, verschwommenes Sehen, trockene Augen, Augenschmerzen, verringerte Sehschärfe, grosse Pupillen, Schwindel, Tinnitus, Erregungsleitungsstörungen (Herz), Herzrhythmusstörungen, irreguläre Herzschläge Herzinfarkt, niedriger Blutdruck, schlechte Durchblutung mit Taubheitsgefühl, Atemprobleme, Husten, trockene Nase, Erkrankungen des Rachenraums, Magen-Darm-Erkrankungen, Bauchbeschwerden, Blähungen, Magen- oder Dünndarmgeschwüre, Hämorrhoiden, erhöhte Leberwerte, Hauterkrankungen (Nesselausschlag, Entzündungen), Muskelschmerzen, Muskelsteifigkeit, Inkontinenz (unwillentliches Wasserlassen), unregelmässige Regelblutungen, Prostataerkrankungen, Unwohlsein, Unbehagen, Fieber, Schüttelfrost, Brustschmerzen.

Selten (0.01-0.1%): Störungen des Nebennierenfunktion und damit des Wasserhaushaltes, Realitätsverlust, unnormales Denken, Psychosen, Schlaganfall, ungewollte Bewegungen, Parkinson-ähnliche Beschwerden, Krampfanfälle, Angina pectoris, Leberentzündung, Leberzellschädigung, Lichtempfindlichkeitsreaktionen der Haut.

Weitere (sehr seltene Nebenwirkungen/Einzelfälle/Häufigkeit unbekannt): Serotonin-Syndrom, Hyponatriämie (Blutwert), Blutungen der Haut und/oder Schleimhäute, Aggression, Hepatitis, Stevens-Johnson-Syndrom, Absetzsymptome, erhöhtes Risiko für Knochenbrüchen.

Menschen mit Depressionen und/oder Angststörungen gehen oft automatisch davon aus, sämtliche und/oder die schwersten Nebenwirkungen zu entfalten. Diese Annahme ist objektiv nicht begründet. Üblicherweise lassen die meisten (nicht alle) unerwünschten Wirkungen mit der Zeit nach oder verschwinden ganz. Bei schwerwiegenden Komplikationen muss jedoch ein Arzt konsultiert werden.

Kontraindikationen & Wechselwirkungen

Fragen Sie, bevor Sie Medikamente einnehmen immer Ihren Arzt oder Apotheker bezüglich Nebenwirkungen, Kontraindikationen (Gegenanzeigen) und Wechselwirkungen mit anderen (auch frei verkäuflichen) Medikamenten.

 

Nicht einnehmen dürfen Sie Milnacipran:

  • Wenn Sie allergisch gegenüber einem Inhaltsstoff Ihres Milnacipran-Präparates sind.
  • Wenn Sie gleichzeitig MAO-Hemmer einnehmen oder in den vergangenen 14 Tagen eingenommen haben. Dazu gehören unter anderem Selegilin (zur Behandlung der Parkinson Krankheit), Moclobemid oder Tranylcypromin (zur Behandlung von Depressionen) und Linezolid (ein Antibiotikum zur Behandlung schwerster, komplizierter Infektionen).
  • Wenn Sie stillen.
  • Wenn Sie an unkontrolliertem Bluthochdruck leiden.
  • Wenn Sie an schwerer oder instabiler koronarer Herzkrankheit leiden.

 

Bei der Einnahme von Milnacipran ist Vorsicht geboten…

  • Wenn Sie an einer Leber- oder Nierenfunktionsstörung leiden.
  • Wenn Sie eine vergrösserte Prostata (gutartige Prostatahypertrophie) oder Schwierigkeiten beim Harnlassen haben.
  • Wenn Sie einen erhöhten Augeninnendruck aufweisen.
  • Wenn Sie eine erhöhte Neigung zu Blutungen und/oder Blutergüssen haben.
  • Wenn Sie unter Herzbeschwerden leiden.

 

Milnacipran soll mit den folgenden Arzneimitteln nur mit Vorsicht angewendet werden:

  • Arzneimittel, welche auf das Herz-Kreislauf-System wirken
  • Andere Antidepressiva (inkl. Johanniskraut)
  • Pethidin
  • Tramadol
  • Orale Antikoagulanzien (Arzneimittel, die Auswirkungen auf die Thrombozytenfunktion haben bzw. das Risiko von Blutungen erhöhen wie z.B. NSAR und Acetylsalicylsäure)

Diese Liste entspricht den aktuell verfügbaren Informationen, weitere Interaktionen und Kontraindikationen sind allerdings keineswegs auszuschliessen! Sprechen Sie unbedingt Ihren Arzt auf bestehende Erkrankungen und Veränderungen Ihrer Medikation (betrifft auch rezeptfreie Präparate) an, auch wenn auf dieser Liste keine Informationen vermerkt sind.

Schwangerschaft & Stillzeit

Es liegen keine hinreichenden Daten zur Anwendung von Milnacipran bei schwangeren Frauen vor. Milnacipran darf nur dann in der Schwangerschaft angewendet werden, wenn es zwingend erforderlich ist.

Nach Einnahme von Milnacipran bzw. anderen SNRI’s am Ende der Schwangerschaft, traten bei einigen Neugeborenen folgende Absetzsymptome auf: Ess- und Schlafstörungen, Atmungsschwierigkeiten, bläuliche Verfärbung der Haut, Atemunterbrüche, Krampfanfälle, Temperaturschwankungen, zu niedriger Blutzuckerspiegel, Tremor, abnormale Muskelspannungen, gesteigerte Reflexbereitschaft, Erbrechen, abnormale Irritabilität, Überspanntheit, Lethargie, Schläfrigkeit und anhaltendes Weinen.

Eine SNRI-Exposition in der späten Schwangerschaft kann das Risiko für eine persistierende pulmonale Hypertonie beim Neugeborenen (PPHN) erhöhen. Aktuelle Erkenntnisse lassen zudem darauf schliessen, dass die Einnahme  von SNRI’s während des zweiten oder dritten Schwangerschaftsdrittels das Risiko einer Präeklampsie (Bluthochdruck während der Schwangerschaft oder des Wochenbetts) erhöhen kann. Weiterhin kann eine Exposition gegenüber SNRI’s kurz vor der Geburt das Risiko einer postpartalen Blutung erhöhen.

Milnacipran geht in die Muttermilch über. Ein Risiko für das gestillte Kind kann nicht ausgeschlossen werden. Daher darf während der Behandlung mit Milnacipran nicht gestillt werden.

Studien

Mit Milnacipran wurden diverse Studien durchgeführt, von welchen jedoch meist nur das Abstract vorhanden ist.

Vergleich mit Placebo: Milanipran wurde in einer 4-8 Wöchigen Studie mit Placebo verglichen. Behandelt wurden Probanden mit mittelschweren bis schweren Depressionen, welche ambulant oder stationär an der Studie teilnahmen. Es wurde eine signifikante Überlegenheit gegenüber Placebo festgestellt.

Vergleich mit Amitriptylin: In einer Studie zeigte Milnacipran 100mg/Tag eine vergleichbare Wirkung mit Amptriptylin 150mg/Tag.

Vergleich mit Clomipramin: In einer weiteren Studie über 4-12 Wochen fand sich unter Milnacipran (100mg/Tag) eine vergleichbare Wirkung wie unter Clomipramin (150mg/Tag).

Vergleich mit Imipramin: Bei einer Methaanalyse der Vergleichsstudien zwischen Milnacipran und Imipramin bei hostpitalisierten Patienten mit major Depression, fand sich eine ähnlich gute Wirksamkeit. Rund 66% sprachen auf Imipramin an, ca. 64% auf Milnacipran. Die Remissionsrate (nahzu vollstände Beseitigung aller Symptome) war mit 41% bei Imipramin und 38% bei Milnacipran jedoch einiges geringer.

Vergleich mit Fluoxetin: In einer Vergleichsstudie zwischen Milnacipran (100mg/Tag) und Fluoxetin (20mg/Tag) sprachen mehr Personen auf Milnacipran an. Konkret waren es 61% und bei Fluoxetin nur 49%.

Studie des Nordic Cochrane Centre: Das Nordic Cochrane Centre wird vom dänischen Staat finanziert und darf per Gesetz keine Gelder der Pharmaindustrie annehmen. So soll die grösstmögliche Unabhängigkeit garantiert werden. Das Zentrum hat bis im Juni 2019 522 bereits publizierte placebokontrollierte Studien zu Antidepressiva im Allgemeinen ausgewertet. Es handelt sich dabei um klinische Studien, an denen insgesamt 116’477 depressive Probandinnen und Probanden teilgenommen haben. Zusätzlich hat das Zentrum auch 19 unveröffentlichte klinische Studien der Pharmaindustrie beigezogen. Also Studien, welche die Pharmakonzerne nicht veröffentlicht haben wollten, aber beim Zulassungsgesuch des Medikaments den Behörden vorlegen mussten. Die Forscher konnten nur eine leichte Überlegenheit von Antidepressiva gegenüber Placebo feststellten. Es handelt sich dabei um einen Unterschied von lediglich 1,97 Punkten auf einer Skala von 52 Punkten.

Bedenken Sie, dass diese Studien keinen Aufschluss über die Wirksamkeit im Einzelfall ergeben.

Der Autor hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt.
Dieses Medikament ist rezeptpflichtig. Die Einnahme muss ärztlich überwacht werden.

Stand der Information: Juni 2016

Milnacipran

Antidepressivum (SNRI)
Handelsnamen: Milnaneurax und Ixel

Allgemeine Informationen

Milnacipran wurde vom Herstellen Pierre Fabre Médicament patentiert und 1998 in Österreich zugelassen. Später erfolgte die Zulassung in Deutschland (jedoch nicht in der Schweiz).

Das Medikament ist ein Antidepressivum aus der Gruppe der „selektiven Serotonin und Noradrenalin Wiederaufnahme-Hemmer“ (SNRI) und wird unter den Handelsnamen Ixel und Milnaneurax vertrieben. Zugelassen ist es ab dem 18. Altersjahr zur Behandlung von Depressionen.

Auf die Fahrtüchtigkeit und das Bedienen von Maschinen hat Milnacipran keinen Einfluss. Dennoch sollten Sie zunächst abwarten um zu sehen, wie Sie auf die Substanz reagieren. Bezüglich Alkohol sind keine Wechselwirkungen bekannt, dennoch ist Vorsicht geboten.

Zur gleichen Wirkstoffgruppe (SNRI) gehören auch Venlafaxin und Duloxetin. Während Milnacipran die Serotonin- und Noradrenalin-Wiederaufnahme ungefähr gleich stark blockiert, hat Duloxetin eine 10-fach höhere Affinität zu Serotonin (blockiert die Serotonin-Wiederaufnahme also ca. 10x stärker) und Venlafaxin eine 30-fach höhere Affinität zu Serotonin.

Im Unterschied zu Venlafaxin (jedoch nicht zu Duloxetin) hemmt Milnacipran die Noradrenalin-Wiederaufnahme bereits von Beginn weg und nicht erst bei Einnahme einer höheren Dosis.

Indikation
  • Depression
Dosierung & Anwendung

Einnahme: 2x täglich Morgens und Abends.
Die Einnahme muss täglich erfolgen.

Zieldosis: 50-150mg (pro Tag)

Die hier erwähnte Dosierung bezieht sich auf Erwachsene ohne körperliche Einschränkungen im Alter zwischen 18 und 65 Jahren deren Behandlung ambulant erfolgt. Grundsätzlich muss die Dosis von einem Arzt individuell festgelegt werden. Sie kann somit von den hier erwähnten Angaben abweichen.

Antidepressiva werden langsam „eingeschlichen“. Das heisst, dass zu Beginn die niedrigste Dosis verabreicht und diese anschliessend (nach einigen Tagen/Wochen) schrittweise bis zur Zieldosis gesteigert wird. Bei einem positiven Ansprechen auf das Medikament, sollte die Einnahme mind. 6 Monate nach dem Abklingen sämtlicher Symptome weitergeführt werden. Ist anschliessend keine Rezidivprophylaxe (vorsorgliche Einnahme zur Verhütung eines Rückfalls) notwendig, kann das Antidepressivum schrittweise unter ärztlicher Kontrolle wieder abgesetzt werden.

Ändern Sie nie die Dosis im Alleingang (weder erhöhen noch reduzieren), auch wenn sich Ihr Gesundheitszustand verändert hat. Halten Sie immer zunächst Rücksprache mit Ihrem Arzt!

 

Pharmakokinetik

max. Plasmakonzentration: 0.5-4 Stunden

Halbwertszeit: 6-8 Stunden

Bioverfügbarkeit: 85%

Wirkungseintritt: 2-5 Wochen

Diese Werte sind als Durchschnittswerte anzusehen. Je nach Alter, Nahrungsaufnahme und der Kombination mit anderen Medikamenten können diese Werte (teilweise stark) variieren.

Nebenwirkungen

Sehr häufig (mehr als 10%):

  • Übelkeit
  • Kopfschmerzen

Häufig (1-10%):

  • Migräne
  • Zittern
  • Schwindel
  • Empfindungsstörungen
  • Schläfrigkeit
  • Spüren des Herzschlags
  • Beschleunigter Herzschlag
  • Erhöhter Blutdruck
  • Hitzewallungen
  • Agitiertheit
  • Angst
  • Essstörungen
  • Schlafstörungen
  • Suizidgedanken
  • Verschlechterung der Depression
  • Schmerzen
  • Durchfall
  • Verstopfung
  • Mundtrockenheit
  • Verdauungsstörung
  • Erbrechen
  • Juckreiz
  • Hautausschlag
  • Schwitzen
  • Muskelschmerzen
  • Schwierigkeiten beim Wasserlassen
  • Häufiges Wasserlassen
  • Sexuelle Funktionsstörungen (inkl. Libidoverlust)
  • Hodenschmerzen
  • Müdigkeit

Gelegentlich (0.1-1%):

  • Überempfindlichkeitsreaktionen
  • Erhöhte Fettwerte im Blut
  • Gewichtsabnahme
  • Panikattacken
  • Verwirrtheit
  • Wahnvorstellungen
  • Halluzinationen
  • Manie
  • Abnormale Träume
  • Gedächtnisstörungen
  • Gefühl der Ruhelosigkeit
  • Gleichgewichtsstörungen
  • Verändertes Geschmacksempfinden
  • Ohnmachtsanfälle
  • Verschwommenes Sehen
  • Trockene Augen
  • Augenschmerzen
  • Verringerte Sehschärfe
  • Grosse Pupillen
  • Schwindel
  • Tinnitus
  • Erregungsleitungsstörungen (Herz)
  • Herzrhythmusstörungen
  • Irreguläre Herzschläge
  • Herzinfarkt
  • Niedriger Blutdruck
  • Schlechte Durchblutung mit Taubheitsgefühl
  • Atemprobleme
  • Husten
  • Trockene Nase
  • Erkrankungen des Rachenraums
  • Magen-Darm-Erkrankungen
  • Bauchbeschwerden
  • Blähungen
  • Magen- oder Dünndarmgeschwüre
  • Hämorrhoiden
  • Erhöhte Leberwerte
  • Hauterkrankungen (Nesselausschlag, Entzündungen)
  • Muskelschmerzen
  • Muskelsteifigkeit
  • Inkontinenz (unwillentliches Wasserlassen)
  • Unregelmässige Regelblutungen
  • Prostataerkrankungen
  • Unwohlsein
  • Unbehagen
  • Fieber
  • Schüttelfrost
  • Brustschmerzen

Selten (0.01-0.1%):

  • Störungen des Nebennierenfunktion und damit des Wasserhaushaltes
  • Realitätsverlust
  • Unnormales Denken
  • Psychosen
  • Schlaganfall
  • Ungewollte Bewegungen
  • Parkinson ähnliche Beschwerden
  • Krampfanfälle
  • Angina pectoris
  • Leberentzündung
  • Leberzellschädigung, Lichtempfindlichkeitsreaktionen der Haut

Weitere (sehr seltene Nebenwirkungen / Einzelfälle / Häufigkeit unbekannt):

  • Serotonin-Syndrom
  • Hyponatriämie (Blutwert)
  • Blutungen der Haut und/oder Schleimhäute
  • Aggression
  • Hepatitis
  • Stevens-Johnson-Syndrom
  • Absetzsymptome
  • Erhöhtes Risiko für Knochenbrüchen.

Menschen mit Depressionen und/oder Angststörungen gehen oft automatisch davon aus, sämtliche und/oder die schwersten Nebenwirkungen zu entfalten. Diese Annahme ist objektiv nicht begründet. Üblicherweise lassen die meisten (nicht alle) unerwünschten Wirkungen mit der Zeit nach oder verschwinden ganz. Bei schwerwiegenden Komplikationen muss jedoch ein Arzt konsultiert werden.

Kontraindikationen & Wechselwirkungen

Fragen Sie, bevor Sie Medikamente einnehmen immer Ihren Arzt oder Apotheker bezüglich Nebenwirkungen, Kontraindikationen (Gegenanzeigen) und Wechselwirkungen mit anderen (auch frei verkäuflichen) Medikamenten.

 

Nicht einnehmen dürfen Sie Milnacipran:

  • Wenn Sie allergisch gegenüber einem Inhaltsstoff Ihres Milnacipran-Präparates sind.
  • Wenn Sie gleichzeitig MAO-Hemmer einnehmen oder in den vergangenen 14 Tagen eingenommen haben. Dazu gehören unter anderem Selegilin (zur Behandlung der Parkinson Krankheit), Moclobemid oder Tranylcypromin (zur Behandlung von Depressionen) und Linezolid (ein Antibiotikum zur Behandlung schwerster, komplizierter Infektionen).
  • Wenn Sie stillen.
  • Wenn Sie an unkontrolliertem Bluthochdruck leiden.
  • Wenn Sie an schwerer oder instabiler koronarer Herzkrankheit leiden.

 

Bei der Einnahme von Milnacipran ist Vorsicht geboten…

  • Wenn Sie an einer Leber- oder Nierenfunktionsstörung leiden.
  • Wenn Sie eine vergrösserte Prostata (gutartige Prostatahypertrophie) oder Schwierigkeiten beim Harnlassen haben.
  • Wenn Sie einen erhöhten Augeninnendruck aufweisen.
  • Wenn Sie eine erhöhte Neigung zu Blutungen und/oder Blutergüssen haben.
  • Wenn Sie unter Herzbeschwerden leiden.

 

Milnacipran soll mit den folgenden Arzneimitteln nur mit Vorsicht angewendet werden:

  • Arzneimittel, welche auf das Herz-Kreislauf-System wirken
  • Andere Antidepressiva (inkl. Johanniskraut)
  • Pethidin
  • Tramadol
  • Orale Antikoagulanzien (Arzneimittel, die Auswirkungen auf die Thrombozytenfunktion haben bzw. das Risiko von Blutungen erhöhen wie z.B. NSAR und Acetylsalicylsäure)

Diese Liste entspricht den aktuell verfügbaren Informationen, weitere Interaktionen und Kontraindikationen sind allerdings keineswegs auszuschliessen! Sprechen Sie unbedingt Ihren Arzt auf bestehende Erkrankungen und Veränderungen Ihrer Medikation (betrifft auch rezeptfreie Präparate) an, auch wenn auf dieser Liste keine Informationen vermerkt sind.

Schwangerschaft & Stillzeit

Es liegen keine hinreichenden Daten zur Anwendung von Milnacipran bei schwangeren Frauen vor. Milnacipran darf nur dann in der Schwangerschaft angewendet werden, wenn es zwingend erforderlich ist.

Nach Einnahme von Milnacipran bzw. anderen SNRI’s am Ende der Schwangerschaft, traten bei einigen Neugeborenen folgende Absetzsymptome auf: Ess- und Schlafstörungen, Atmungsschwierigkeiten, bläuliche Verfärbung der Haut, Atemunterbrüche, Krampfanfälle, Temperaturschwankungen, zu niedriger Blutzuckerspiegel, Tremor, abnormale Muskelspannungen, gesteigerte Reflexbereitschaft, Erbrechen, abnormale Irritabilität, Überspanntheit, Lethargie, Schläfrigkeit und anhaltendes Weinen.

Eine SNRI-Exposition in der späten Schwangerschaft kann das Risiko für eine persistierende pulmonale Hypertonie beim Neugeborenen (PPHN) erhöhen. Aktuelle Erkenntnisse lassen zudem darauf schliessen, dass die Einnahme  von SNRI’s während des zweiten oder dritten Schwangerschaftsdrittels das Risiko einer Präeklampsie (Bluthochdruck während der Schwangerschaft oder des Wochenbetts) erhöhen kann. Weiterhin kann eine Exposition gegenüber SNRI’s kurz vor der Geburt das Risiko einer postpartalen Blutung erhöhen.

Milnacipran geht in die Muttermilch über. Ein Risiko für das gestillte Kind kann nicht ausgeschlossen werden. Daher darf während der Behandlung mit Milnacipran nicht gestillt werden.

Studien

Mit Milnacipran wurden diverse Studien durchgeführt, von welchen jedoch meist nur das Abstract vorhanden ist.

Vergleich mit Placebo: Milanipran wurde in einer 4-8 Wöchigen Studie mit Placebo verglichen. Behandelt wurden Probanden mit mittelschweren bis schweren Depressionen, welche ambulant oder stationär an der Studie teilnahmen. Es wurde eine signifikante Überlegenheit gegenüber Placebo festgestellt.

Vergleich mit Amitriptylin: In einer Studie zeigte Milnacipran 100mg/Tag eine vergleichbare Wirkung mit Amptriptylin 150mg/Tag.

Vergleich mit Clomipramin: In einer weiteren Studie über 4-12 Wochen fand sich unter Milnacipran (100mg/Tag) eine vergleichbare Wirkung wie unter Clomipramin (150mg/Tag).

Vergleich mit Imipramin: Bei einer Methaanalyse der Vergleichsstudien zwischen Milnacipran und Imipramin bei hostpitalisierten Patienten mit major Depression, fand sich eine ähnlich gute Wirksamkeit. Rund 66% sprachen auf Imipramin an, ca. 64% auf Milnacipran. Die Remissionsrate (nahzu vollstände Beseitigung aller Symptome) war mit 41% bei Imipramin und 38% bei Milnacipran jedoch einiges geringer.

Vergleich mit Fluoxetin: In einer Vergleichsstudie zwischen Milnacipran (100mg/Tag) und Fluoxetin (20mg/Tag) sprachen mehr Personen auf Milnacipran an. Konkret waren es 61% und bei Fluoxetin nur 49%.

Studie des Nordic Cochrane Centre: Das Nordic Cochrane Centre wird vom dänischen Staat finanziert und darf per Gesetz keine Gelder der Pharmaindustrie annehmen. So soll die grösstmögliche Unabhängigkeit garantiert werden. Das Zentrum hat bis im Juni 2019 522 bereits publizierte placebokontrollierte Studien zu Antidepressiva im Allgemeinen ausgewertet. Es handelt sich dabei um klinische Studien, an denen insgesamt 116’477 depressive Probandinnen und Probanden teilgenommen haben. Zusätzlich hat das Zentrum auch 19 unveröffentlichte klinische Studien der Pharmaindustrie beigezogen. Also Studien, welche die Pharmakonzerne nicht veröffentlicht haben wollten, aber beim Zulassungsgesuch des Medikaments den Behörden vorlegen mussten. Die Forscher konnten nur eine leichte Überlegenheit von Antidepressiva gegenüber Placebo feststellten. Es handelt sich dabei um einen Unterschied von lediglich 1,97 Punkten auf einer Skala von 52 Punkten.

Bedenken Sie, dass diese Studien keinen Aufschluss über die Wirksamkeit im Einzelfall ergeben.

Der Autor hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt. Dieses Medikament ist rezeptpflichtig. Die Einnahme muss ärztlich überwacht werden.

Stand der Information: Juni 2016