Mirtazapin

tetrazyklisches Antidepressivum (NaSSA) | Handelsnamen: Remergil, Remeron sowie div. Generika

Allgemeine Informationen

Mirtazapin wurde 1976 erstmals von AkzoNobel (Organon Pharma) patentiert, jedoch erst Mitte der 1990er Jahre in Europa zugelassen.

Mirtazapin ist ein tetrazyklisches Antidepressivum (Tetrazyklika) bzw. ein noradrenerges und spezifisch serotonerges Antidepressivum (NaSSA). Es wird primär unter den Handelsnamen Remergil und Remeron vertrieben, auch als Generikum ist es erhältlich. Zugelassen ist es zur Behandlung von Depressionen bei Personen über 18 Jahren. Mirtazapin wirkt stark schlaffördernd, weshalb die Fahrtüchtigkeit und das Bedienen von Maschinen beeinträchtigt wird. Die Wirkung von Alkohol kann durch Mirtazapin verstärkt werden, weshalb die Einnahme von Alkohol während der Behandlung zu vermeiden ist. ​

Mirtazapin besetzt im Gehirn spezifische Bindungsstellen der Botenstoffe Noradrenalin und Serotonin und verändert damit den Einfluss dieser auf die Signalübertragung im Gehirn. Insbesondere steigert es indirekt die Freisetzung von Dopamin im präfrontalen Cortex und die noradrenerge Übertragung in kortikal-limbischen Bereichen. Der Serotoninspiegel wird dabei nur unwesentlich beeinflusst.

Indikation
  • Depression (inkl. Rezidivprophylaxe)
  • Schlafstörungen (off-label use)
Dosierung & Anwendung

Einnahme: 1x täglich ca. 1-2 Stunden vor dem Schlafengehen unabhängig der Mahlzeiten.
Die Einnahme muss täglich erfolgen (also nicht nur bei unmittelbarem Bedarf).

Zieldosis: 15-45mg (pro Tag)

Die hier erwähnte Dosierung bezieht sich auf Erwachsene ohne körperliche Einschränkungen im Alter zwischen 18 und 65 Jahren deren Behandlung ambulant erfolgt. Grundsätzlich muss die Dosis von einem Arzt individuell festgelegt werden. Sie kann somit von den hier erwähnten Angaben abweichen.

Antidepressiva werden langsam „eingeschlichen“. Das heisst, dass zu Beginn die niedrigste Dosis verabreicht und diese anschliessend (nach einigen Tagen/Wochen) schrittweise bis zur Zieldosis gesteigert wird. Bei einem positiven Ansprechen auf das Medikament, sollte die Einnahme mind. 6 Monate nach dem Abklingen sämtlicher Symptome weitergeführt werden. Ist anschliessend keine Rezidivprophylaxe (vorsorgliche Einnahme zur Verhütung eines Rückfalls) notwendig, kann das Antidepressivum schrittweise unter ärztlicher Kontrolle wieder abgesetzt werden.

Ändern Sie nie die Dosis im Alleingang (weder erhöhen noch reduzieren), auch wenn sich Ihr Gesundheitszustand verändert hat. Halten Sie immer zunächst Rücksprache mit Ihrem Arzt!

Pharmakokinetik

max. Plasmakonzentration: nach 2 Stunden

Halbwertszeit: 20-40 Stunden

Bioverfügbarkeit: ca. 50%

Wirkungseintritt: nach 2-4 Wochen täglicher Einnahme (Sedierung bereits nach 1-2 Stunden)

Diese Werte sind als Durchschnittswerte anzusehen. Je nach Alter, Nahrungsaufnahme und der Kombination mit anderen Medikamenten können diese Werte (teilweise stark) variieren.

Nebenwirkungen

Sehr häufig (mehr als 10%): Gewichtszunahme, gesteigerter Appetit, Schläfrigkeit, Kopfschmerzen, Mundtrockenheit.

Häufig (1-10%): Abnormale Träume, Verwirrtheit, Angstgefühle, Schlaflosigkeit, Lethargie, Schwindel, Zittern (Tremor), niedriger Blutdruck, Übelkeit, Durchfall, Verstopfungen, Erbrechen, Hautausschlag, Gelenkschmerzen, Muskelschmerzen, Rückenschmerzen, Ödeme, Erschöpfung.

Gelegentlich (0.1-1%): Manie, Unruhe, Albträume, Halluzinationen, psychomotorische Unruhe, Missempfindungen der Haut (Kribbeln, Taubheitsgefühle etc.), unruhige Beine, Ohnmachtsanfälle, verminderte Berührungs- und Drucksensibilität der Haut im Mundbereich.

Selten (0.01-0.1%): Aggression, Muskelzuckungen, Herzinfarkt, Bauspeicheldrüse-Entzündung, abnormale Leberwerte.

Weitere (sehr seltene Nebenwirkungen/Einzelfälle/Häufigkeit unbekannt): Veränderte Blutwerte (Granulozytopenie, Agranulozytose, aplastische Anämie, Thrombozytopenie, Eosinophilie, Hyponatriämie), inadäquate ADH-Sekretion, Suizidgedanken, Krämpfe, Serotonin-Syndrom, Missempfindungen der Haut im Mundbereich (Kribbeln, Taubheitsgefühl etc.), Sprechstörungen, Herzrhythmusstörungen, Verlängerung des QT-Intervalls im EKG, Torsade de Pointes, Mundödeme, vermehrte Speichelbildung, gefährliche Hautreaktionen (Stevens-Johnson-Syndrom, Dermatitis bullosa, Erythema multiforme, toxische epidermale Nekrolyse, Thabdomyolye), Harnverhalt, Brustvergrösserung, Vergrösserung der Brustdrüsen beim Mann, Kreatinkinsase.

Menschen mit Depressionen und/oder Angststörungen gehen oft automatisch davon aus, sämtliche und/oder die schwersten Nebenwirkungen zu entfalten. Diese Annahme ist objektiv nicht begründet. Üblicherweise lassen die meisten (nicht alle) unerwünschten Wirkungen mit der Zeit nach oder verschwinden ganz. Bei schwerwiegenden Komplikationen muss jedoch ein Arzt konsultiert werden.

Kontraindikationen & Wechselwirkungen

Fragen Sie, bevor Sie Medikamente einnehmen immer Ihren Arzt oder Apotheker bezüglich Nebenwirkungen, Kontraindikationen (Gegenanzeigen) und Wechselwirkungen mit anderen (auch frei verkäuflichen) Medikamenten.

 

Nicht einnehmen dürfen Sie Mirtazapin:

  • Wenn Sie allergisch gegenüber einem Inhaltsstoff Ihres Mirtazapin-Präparates sind.
  • Wenn Sie gleichzeitig MAO-Hemmer einnehmen oder in den vergangenen 14 Tagen eingenommen haben. Dazu gehören unter anderem Selegilin (zur Behandlung der Parkinson Krankheit), Moclobemid oder Tranylcypromin (zur Behandlung von Depressionen), Linezolid (ein Antibiotikum zur Behandlung schwerster, komplizierter Infektionen).

 

Bei der Einnahme von Mirtazapin ist Vorsicht geboten…

  • Wenn Sie minderjährig sind.
  • Wenn Sie unter einer Epilepsie leiden oder früher einmal Krampfanfälle hatten.
  • Wenn bei Ihnen Lebererkrankungen festgestellt wurden.
  • Wenn bei Ihnen Nierenerkrankungen diagnostiziert wurden.
  • Wenn sie Herzerkrankungen aller Art haben.
  • Wenn Sie unter niedrigem Blutdruck leiden.
  • Falls Sie unter psychotischen Symptomen (z.B. Schizophrenie) leiden.
  • Wenn Sie bereits einmal manische Zustände aufwiesen.
  • Wenn Sie Diabetiker/in sind.
  • Wenn Sie unter erhöhtem Augeninnendruck (Glaukom) leiden.
  • Wenn Sie Probleme beim Wasserlassen haben.

 

Mirtazapin soll mit den folgenden Arzneimitteln nur mit Vorsicht angewendet werden:

  • Andere Antidepressiva (inkl. Johannniskraut)
  • Tryptophan
  • Triptanen (gegen Migräne)
  • Tramadol (Schmerzmittel)
  • Lithium (mood-stabilizer)
  • Methylenblau
  • Benzodiazepine
  • Neuroleptika
  • Arzneimittel gegen Allergien (Antihistaminika)
  • Gewisse Schmerzmittel
  • Gewisse Antibiotika und andere Arzneimittel gegen bakterielle Infektionen (z.B. Erythromycin)
  • Arzneimittel gegen Pilzinfektionen (z.B. Ketoconazol)
  • Arzneimittel gegen HIV/AIDS
  • Cimetidin (gegen Magensäure)
  • Antiepileptika
  • Arzneimittel gegen Tuberkulose (z.B. Rifampicin)
  • Arzneimittel, welche die Blutgerinnung unterdrücken (z.B. Warfarin)
  • Arzneimittel, welche den Herzrhythmus verändern

Diese Liste entspricht den aktuell verfügbaren Informationen, weitere Interaktionen und Kontraindikationen sind allerdings keineswegs auszuschliessen! Sprechen Sie unbedingt Ihren Arzt auf bestehende Erkrankungen und Veränderungen Ihrer Medikation (betrifft auch rezeptfreie Präparate) an, auch wenn auf dieser Liste keine Informationen vermerkt sind.

 

Schwangerschaft & Stillzeit

Es liegen keine Daten mit Mirtazapin aus klinisch kontrollierten Studien bei schwangeren Frauen vor. Begrenzte Daten über die Anwendung von Mirtazapin bei schwangeren Frauen weisen nicht auf ein erhöhtes Risiko für angeborene Missbildungen hin.

Falls Mirtazapin bis zur oder kurz vor der Geburt verabreicht wird, wird eine postnatale Überwachung des Neugeborenen empfohlen, um möglichen Entzugserscheinungen Rechnung zu tragen.

Ist eine Behandlung während der Stillzeit notwendig, soll abgestillt werden.

Studien

Mirtazapin ist in zahlreichen Studien sowohl mit Placebo als auch mit verschiedenen anderen Antidepressiva verglichen worden. Diese Studien dauerten in der Regel sechs Wochen. Zur Beurteilung der Depression und des Verlaufs dienten die bekannten Skalen; am häufigsten wurde die «Hamilton Depression Rating Scale» (HDRS) verwendet. Als Ansprechen auf die Behandlung wurde bezeichnet, wenn der HDRS-Wert gegenüber dem Ausgangswert um wenigstens 50% reduziert werden konnte.

Vergleich mit Placebo: Im Vergleich mit Placebo war Mirtazapin in mehreren Doppelblindstudien bei mittelschwerer bis schwerer Depression signifikant besser wirksam. Die in diesen Studien verwendete Tagesdosis betrug, individuell titriert, zwischen 5 und 35 mg. Mit Mirtazapin wurden Ansprechraten von 50 bis 60% erreicht, mit Placebo nur etwa von 25 bis 35%.

Vergleich mit Amitriptylin: Mehrere Studien dienten dem Vergleich mit Amitriptylin. Dabei wurden ebenfalls individuell angepasste Dosen der Antidepressiva eingesetzt. Zwei in der ambulanten Praxis durchgeführte Doppelblindstudien umfassten zusammen rund 300 Kranke. In diesen Studien war Mirtazapin in relativ niedriger Dosis (durchschnittlich um 20 mg/Tag) ähnlich wirksam wie Amitriptylin (Tagesdosis im Mittel um 120 mg), jedoch der Placebokontrolle klar überlegen. Wie Amitriptylin hat Mirtazapin auch eine deutliche anxiolytische und schlaffördernde Wirkung.

Mirtazapin wurde auch bei älteren Leuten (über 60 Jahre) sowie – in wesentlich höherer Dosis (im Mittel 50 mg/Tag) – bei hospitalisierten Kranken mit Amitriptylin verglichen. Auch in diesen Studien waren die beiden Medikamente praktisch gleich antidepressiv wirksam. Die Vergleiche mit Amitriptylin wurden wiederholt in Metaanalysen zusammengefasst, die bestätigen, dass die beiden Medikamente ähnlich gut und ungefähr innerhalb derselben Zeitspanne wirken.

Die einzige publizierte Langzeitstudie umfasste 217 Personen, die in vorausgehenden kürzeren Studien gemäss klinischer Beurteilung gut auf die Behandlung angesprochen hatten und ihr Medikament weiter doppelblind erhielten. Gemäss einer Beurteilung nach 20 Wochen Behandlung kam es unter Mirtazapin (mittlere Dosis: 23mg/Tag) oder Amitriptylin (mittlere Dosis: 138 mg/Tag) signifikant seltener zu einem Rückfall der Depression als unter Placebo. Zu diesem Zeitpunkt hatten 4,1% der mit Mirtazapin Behandelten und – nicht-signifikant mehr – 7,0% der mit Amitriptylin Behandelten einen Rückfall erlebt.

Vergleich mit Clomipramin und Doxepin: Mirtazapin wurde in Tagesdosen zwischen 20 und 80 mg während 6 Wochen auch mit Clomipramin und Doxepin verglichen und erwies sich dabei als praktisch gleichwertig.

Vergleich mit Imipramin: Bei 107 hospitalisierten Kranken mit einer schweren Depression wurde die Wirksamkeit von Mirtazapin mit derjenigen von Imipramin verglichen, und zwar 2 und 4 Wochen nachdem vordefinierte Plasmaspiegel erreicht worden waren. Die mittlere Dosierung von Mirtazapin betrug 77 mg/Tag, diejenige von Imipramin 235 mg/Tag. Imipramin war in dieser Studie signifikant wirksamer: 50% der mit Imipramin Behandelten, aber nur 22% der mit Mirtazapin Behandelten sprachen auf die Therapie an.

Vergleich mit SSRI: In drei grösseren, 6 bis 8 Wochen dauernden Doppelblindstudien wurde Mirtazapin in Tagesdosen zwischen 15 und 60 mg mit selektiven Serotonin-Wiederaufnahmerhemmern (SSRI) verglichen. In allen drei Studien konnte in den ersten 2 bis 4 Wochen eine überlegene Wirkung von Mirtazapin festgestellt werden, später fanden sich jedoch keine signifikanten Unterschiede zu den Vergleichssubstanzen Citalopram, Fluoxetin und Paroxetin mehr.

Vergleich mit Trazodon: In zwei Studien konnte belegt werden, dass Mirtazapin gleichwertig oder der Vergleichssubstanz leicht überlegen war.

Bedenken Sie, dass die Studien keine Aussage über das Ansprechen einer individuellen Person aussagt.

Der Autor hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt.
Dieses Medikament ist rezeptpflichtig. Die Einnahme muss ärztlich überwacht werden.

Mirtazapin

tetrazyklisches Antidepressivum (NaSSA) | Handelsnamen: Remergil, Remeron sowie div. Generika

Allgemeine Informationen

Mirtazapin wurde 1976 erstmals von AkzoNobel (Organon Pharma) patentiert, jedoch erst Mitte der 1990er Jahre in Europa zugelassen.

Mirtazapin ist ein tetrazyklisches Antidepressivum (Tetrazyklika) bzw. ein noradrenerges und spezifisch serotonerges Antidepressivum (NaSSA). Es wird primär unter den Handelsnamen Remergil und Remeron vertrieben, auch als Generikum ist es erhältlich. Zugelassen ist es zur Behandlung von Depressionen bei Personen über 18 Jahren. Mirtazapin wirkt stark schlaffördernd, weshalb die Fahrtüchtigkeit und das Bedienen von Maschinen beeinträchtigt wird. Die Wirkung von Alkohol kann durch Mirtazapin verstärkt werden, weshalb die Einnahme von Alkohol während der Behandlung zu vermeiden ist. ​

Mirtazapin besetzt im Gehirn spezifische Bindungsstellen der Botenstoffe Noradrenalin und Serotonin und verändert damit den Einfluss dieser auf die Signalübertragung im Gehirn. Insbesondere steigert es indirekt die Freisetzung von Dopamin im präfrontalen Cortex und die noradrenerge Übertragung in kortikal-limbischen Bereichen. Der Serotoninspiegel wird dabei nur unwesentlich beeinflusst.

Indikation
  • Depression (inkl. Rezidivprophylaxe)
  • Schlafstörungen (off-label use)
Dosierung & Anwendung

Einnahme: 1x täglich Abends.
Die Einnahme muss täglich erfolgen.

Zieldosis: 15-45mg (pro Tag)

Die hier erwähnte Dosierung bezieht sich auf Erwachsene ohne körperliche Einschränkungen im Alter zwischen 18 und 65 Jahren deren Behandlung ambulant erfolgt. Grundsätzlich muss die Dosis von einem Arzt individuell festgelegt werden. Sie kann somit von den hier erwähnten Angaben abweichen.

Antidepressiva werden langsam „eingeschlichen“. Das heisst, dass zu Beginn die niedrigste Dosis verabreicht und diese anschliessend (nach einigen Tagen/Wochen) schrittweise bis zur Zieldosis gesteigert wird. Bei einem positiven Ansprechen auf das Medikament, sollte die Einnahme mind. 6 Monate nach dem Abklingen sämtlicher Symptome weitergeführt werden. Ist anschliessend keine Rezidivprophylaxe (vorsorgliche Einnahme zur Verhütung eines Rückfalls) notwendig, kann das Antidepressivum schrittweise unter ärztlicher Kontrolle wieder abgesetzt werden.

Ändern Sie nie die Dosis im Alleingang (weder erhöhen noch reduzieren), auch wenn sich Ihr Gesundheitszustand verändert hat. Halten Sie immer zunächst Rücksprache mit Ihrem Arzt!

Pharmakokinetik

max. Plasmakonzentration: 2 Stunden

Halbwertszeit: 20-40 Stunden

Bioverfügbarkeit: 50%

Wirkungseintritt: 2-4 Wochen (Sedierung 1-2 Stunden)

Diese Werte sind als Durchschnittswerte anzusehen. Je nach Alter, Nahrungsaufnahme und der Kombination mit anderen Medikamenten können diese Werte (teilweise stark) variieren.

Nebenwirkungen

Sehr häufig (mehr als 10%):

  • Gewichtszunahme
  • Gesteigerter Appetit
  • Schläfrigkeit
  • Kopfschmerzen
  • Mundtrockenheit

Häufig (1-10%):

  • Abnormale Träume
  • Verwirrtheit
  • Angstgefühle
  • Schlaflosigkeit
  • Lethargie
  • Schwindel
  • Zittern (Tremor)
  • Niedriger Blutdruck
  • Übelkeit
  • Durchfall
  • Verstopfungen
  • Erbrechen
  • Hautausschlag
  • Gelenkschmerzen
  • Muskelschmerzen
  • Rückenschmerzen
  • Ödeme
  • Erschöpfung

Gelegentlich (0.1-1%):

  • Manie
  • Unruhe
  • Albträume
  • Halluzinationen
  • Psychomotorische Unruhe
  • Missempfindungen der Haut (Kribbeln, Taubheitsgefühle etc.)
  • Unruhige Beine
  • Ohnmachtsanfälle
  • Verminderte Berührungs- und Drucksensibilität der Haut im Mundbereich

Selten (0.01-0.1%):

  • Aggression
  • Muskelzuckungen
  • Herzinfarkt
  • Bauspeicheldrüse-Entzündung
  • Abnormale Leberwerte

Weitere (sehr seltene Nebenwirkungen / Einzelfälle / Häufigkeit unbekannt):

  • Veränderte Blutwerte (Granulozytopenie, Agranulozytose, aplastische Anämie, Thrombozytopenie, Eosinophilie, Hyponatriämie)
  • Inadäquate ADH-Sekretion
  • Suizidgedanken
  • Krämpfe
  • Serotonin-Syndrom
  • Missempfindungen der Haut im Mundbereich (Kribbeln, Taubheitsgefühl etc.)
  • Sprechstörungen
  • Herzrhythmusstörungen
  • Verlängerung des QT-Intervalls im EKG
  • Torsade de Pointes
  • Mundödeme
  • Vermehrte Speichelbildung
  • Gefährliche Hautreaktionen (Stevens-Johnson-Syndrom, Dermatitis bullosa, Erythema multiforme, toxische epidermale Nekrolyse, Thabdomyolye)
  • Harnverhalt
  • Brustvergrösserung
  • Vergrösserung der Brustdrüsen beim Mann
  • Kreatinkinsase

Menschen mit Depressionen und/oder Angststörungen gehen oft automatisch davon aus, sämtliche und/oder die schwersten Nebenwirkungen zu entfalten. Diese Annahme ist objektiv nicht begründet. Üblicherweise lassen die meisten (nicht alle) unerwünschten Wirkungen mit der Zeit nach oder verschwinden ganz. Bei schwerwiegenden Komplikationen muss jedoch ein Arzt konsultiert werden.

Kontraindikationen & Wechselwirkungen

Fragen Sie, bevor Sie Medikamente einnehmen immer Ihren Arzt oder Apotheker bezüglich Nebenwirkungen, Kontraindikationen (Gegenanzeigen) und Wechselwirkungen mit anderen (auch frei verkäuflichen) Medikamenten.

 

Nicht einnehmen dürfen Sie Mirtazapin:

  • Wenn Sie allergisch gegenüber einem Inhaltsstoff Ihres Mirtazapin-Präparates sind.
  • Wenn Sie gleichzeitig MAO-Hemmer einnehmen oder in den vergangenen 14 Tagen eingenommen haben. Dazu gehören unter anderem Selegilin (zur Behandlung der Parkinson Krankheit), Moclobemid oder Tranylcypromin (zur Behandlung von Depressionen), Linezolid (ein Antibiotikum zur Behandlung schwerster, komplizierter Infektionen).

 

Bei der Einnahme von Mirtazapin ist Vorsicht geboten…

  • Wenn Sie minderjährig sind.
  • Wenn Sie unter einer Epilepsie leiden oder früher einmal Krampfanfälle hatten.
  • Wenn bei Ihnen Lebererkrankungen festgestellt wurden.
  • Wenn bei Ihnen Nierenerkrankungen diagnostiziert wurden.
  • Wenn sie Herzerkrankungen aller Art haben.
  • Wenn Sie unter niedrigem Blutdruck leiden.
  • Falls Sie unter psychotischen Symptomen (z.B. Schizophrenie) leiden.
  • Wenn Sie bereits einmal manische Zustände aufwiesen.
  • Wenn Sie Diabetiker/in sind.
  • Wenn Sie unter erhöhtem Augeninnendruck (Glaukom) leiden.
  • Wenn Sie Probleme beim Wasserlassen haben.

 

Mirtazapin soll mit den folgenden Arzneimitteln nur mit Vorsicht angewendet werden:

  • Andere Antidepressiva (inkl. Johannniskraut)
  • Tryptophan
  • Triptanen (gegen Migräne)
  • Tramadol (Schmerzmittel)
  • Lithium (mood-stabilizer)
  • Methylenblau
  • Benzodiazepine
  • Neuroleptika
  • Arzneimittel gegen Allergien (Antihistaminika)
  • Gewisse Schmerzmittel
  • Gewisse Antibiotika und andere Arzneimittel gegen bakterielle Infektionen (z.B. Erythromycin)
  • Arzneimittel gegen Pilzinfektionen (z.B. Ketoconazol)
  • Arzneimittel gegen HIV/AIDS
  • Cimetidin (gegen Magensäure)
  • Antiepileptika
  • Arzneimittel gegen Tuberkulose (z.B. Rifampicin)
  • Arzneimittel, welche die Blutgerinnung unterdrücken (z.B. Warfarin)
  • Arzneimittel, welche den Herzrhythmus verändern

Diese Liste entspricht den aktuell verfügbaren Informationen, weitere Interaktionen und Kontraindikationen sind allerdings keineswegs auszuschliessen! Sprechen Sie unbedingt Ihren Arzt auf bestehende Erkrankungen und Veränderungen Ihrer Medikation (betrifft auch rezeptfreie Präparate) an, auch wenn auf dieser Liste keine Informationen vermerkt sind.

 

Schwangerschaft & Stillzeit

Es liegen keine Daten mit Mirtazapin aus klinisch kontrollierten Studien bei schwangeren Frauen vor. Begrenzte Daten über die Anwendung von Mirtazapin bei schwangeren Frauen weisen nicht auf ein erhöhtes Risiko für angeborene Missbildungen hin.

Falls Mirtazapin bis zur oder kurz vor der Geburt verabreicht wird, wird eine postnatale Überwachung des Neugeborenen empfohlen, um möglichen Entzugserscheinungen Rechnung zu tragen.

Ist eine Behandlung während der Stillzeit notwendig, soll abgestillt werden.

Studien

Mirtazapin ist in zahlreichen Studien sowohl mit Placebo als auch mit verschiedenen anderen Antidepressiva verglichen worden. Diese Studien dauerten in der Regel sechs Wochen. Zur Beurteilung der Depression und des Verlaufs dienten die bekannten Skalen; am häufigsten wurde die «Hamilton Depression Rating Scale» (HDRS) verwendet. Als Ansprechen auf die Behandlung wurde bezeichnet, wenn der HDRS-Wert gegenüber dem Ausgangswert um wenigstens 50% reduziert werden konnte.

Vergleich mit Placebo: Im Vergleich mit Placebo war Mirtazapin in mehreren Doppelblindstudien bei mittelschwerer bis schwerer Depression signifikant besser wirksam. Die in diesen Studien verwendete Tagesdosis betrug, individuell titriert, zwischen 5 und 35 mg. Mit Mirtazapin wurden Ansprechraten von 50 bis 60% erreicht, mit Placebo nur etwa von 25 bis 35%.

Vergleich mit Amitriptylin: Mehrere Studien dienten dem Vergleich mit Amitriptylin. Dabei wurden ebenfalls individuell angepasste Dosen der Antidepressiva eingesetzt. Zwei in der ambulanten Praxis durchgeführte Doppelblindstudien umfassten zusammen rund 300 Kranke. In diesen Studien war Mirtazapin in relativ niedriger Dosis (durchschnittlich um 20 mg/Tag) ähnlich wirksam wie Amitriptylin (Tagesdosis im Mittel um 120 mg), jedoch der Placebokontrolle klar überlegen. Wie Amitriptylin hat Mirtazapin auch eine deutliche anxiolytische und schlaffördernde Wirkung.

Mirtazapin wurde auch bei älteren Leuten (über 60 Jahre) sowie – in wesentlich höherer Dosis (im Mittel 50 mg/Tag) – bei hospitalisierten Kranken mit Amitriptylin verglichen. Auch in diesen Studien waren die beiden Medikamente praktisch gleich antidepressiv wirksam. Die Vergleiche mit Amitriptylin wurden wiederholt in Metaanalysen zusammengefasst, die bestätigen, dass die beiden Medikamente ähnlich gut und ungefähr innerhalb derselben Zeitspanne wirken.

Die einzige publizierte Langzeitstudie umfasste 217 Personen, die in vorausgehenden kürzeren Studien gemäss klinischer Beurteilung gut auf die Behandlung angesprochen hatten und ihr Medikament weiter doppelblind erhielten. Gemäss einer Beurteilung nach 20 Wochen Behandlung kam es unter Mirtazapin (mittlere Dosis: 23mg/Tag) oder Amitriptylin (mittlere Dosis: 138 mg/Tag) signifikant seltener zu einem Rückfall der Depression als unter Placebo. Zu diesem Zeitpunkt hatten 4,1% der mit Mirtazapin Behandelten und – nicht-signifikant mehr – 7,0% der mit Amitriptylin Behandelten einen Rückfall erlebt.

Vergleich mit Clomipramin und Doxepin: Mirtazapin wurde in Tagesdosen zwischen 20 und 80 mg während 6 Wochen auch mit Clomipramin und Doxepin verglichen und erwies sich dabei als praktisch gleichwertig.

Vergleich mit Imipramin: Bei 107 hospitalisierten Kranken mit einer schweren Depression wurde die Wirksamkeit von Mirtazapin mit derjenigen von Imipramin verglichen, und zwar 2 und 4 Wochen nachdem vordefinierte Plasmaspiegel erreicht worden waren. Die mittlere Dosierung von Mirtazapin betrug 77 mg/Tag, diejenige von Imipramin 235 mg/Tag. Imipramin war in dieser Studie signifikant wirksamer: 50% der mit Imipramin Behandelten, aber nur 22% der mit Mirtazapin Behandelten sprachen auf die Therapie an.

Vergleich mit SSRI: In drei grösseren, 6 bis 8 Wochen dauernden Doppelblindstudien wurde Mirtazapin in Tagesdosen zwischen 15 und 60 mg mit selektiven Serotonin-Wiederaufnahmerhemmern (SSRI) verglichen. In allen drei Studien konnte in den ersten 2 bis 4 Wochen eine überlegene Wirkung von Mirtazapin festgestellt werden, später fanden sich jedoch keine signifikanten Unterschiede zu den Vergleichssubstanzen Citalopram, Fluoxetin und Paroxetin mehr.

Vergleich mit Trazodon: In zwei Studien konnte belegt werden, dass Mirtazapin gleichwertig oder der Vergleichssubstanz leicht überlegen war.

Bedenken Sie, dass die Studien keine Aussage über das Ansprechen einer individuellen Person aussagt.

Der Autor hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt. Dieses Medikament ist rezeptpflichtig. Die Einnahme muss ärztlich überwacht werden.