Venlafaxin

Antidepressivum (SNRI) | Handelsnamen: Trevilor, Efexor, Efectin sowie div. Generika

Allgemeine Informationen

Venlafaxin wurde durch den Pharmahersteller Wyeth entwickelt und patentiert. Das Medikament wurde 1996 in Europa zugelassen.

Venlafaxin ist ein Antidepressivum aus der Gruppe der „selektiven Serotonin und Noradrenalin Wiederaufnahme-Hemmer“ (SNRI) und wird unter den Handelsnamen Trevilor, Efexor und Efectin vertrieben. Hinzu kommen zahlreiche Generika. Das Medikament ist zur Behandlung von Depressionen, Panikstörungen (inkl. Agoraphobie), generalisierten Angststörungen und sozialer Phobie zugelassen. Es ist ab 18 Jahren erhältlich. Bezüglich der Fahrtüchtigkeit und dem Bedienen von Maschinen gibt es keine Einschränkungen. Warten Sie jedoch zunächst ab bis Sie wissen, wie Sie auf das Medikament reagieren. Bezüglich Alkohol sind keine Wechselwirkungen bekannt, dennoch ist Vorsicht geboten.

Venlafaxin hemmt den Serotonin-Transporter mit etwa 30-facher Affinität (30:1) im Vergleich zum Noradrenalin-Transporter (bzw. hemmt die Wiederaufnahme von Serotonin 30x stärker als jene von Noradrenalin). Die Wiederaufnahme von Dopamin wird ebenfalls beeinflusst, allerdings sehr schwach. In der Praxis bedeutet dies, dass Venlafaxin in niedrigen Dosierungen eher einem SSRI gleicht und seine noradrenerge Komponente erst ab höheren Dosierungen zum Tragen kommt (ab ca. 150mg). SNRI’s welche die Noradrenalin-Wiederaufnahme von Beginn weg und stärker hemmen sind Duloxetin (10:1) und Milnacipran (1:1).

Venlafaxin ist noch heute das am häufigsten verschriebene SNRI auf dem europäischen Markt.

Indikation
  • Depression (inkl. Rezidivprophylaxe)
  • Panikstörung (mit oder ohne Agoraphobie)
  • Generalisierte Angststörung
  • Soziale Phobie
Dosierung & Anwendung

Einnahme: 1x täglich mit dem Frühstück.
Die Einnahme muss täglich erfolgen (also nicht nur bei unmittelbarem Bedarf).

Zieldosis: 75-375mg (pro Tag)

Die hier erwähnte Dosierung bezieht sich auf Erwachsene ohne körperliche Einschränkungen im Alter zwischen 18 und 65 Jahren deren Behandlung ambulant erfolgt. Grundsätzlich muss die Dosis von einem Arzt individuell festgelegt werden. Sie kann somit von den hier erwähnten Angaben abweichen.

Antidepressiva werden langsam „eingeschlichen“. Das heisst, dass zu Beginn die niedrigste Dosis verabreicht und diese anschliessend (nach einigen Tagen/Wochen) schrittweise bis zur Zieldosis gesteigert wird. Bei einem positiven Ansprechen auf das Medikament, sollte die Einnahme mind. 6 Monate nach dem Abklingen sämtlicher Symptome weitergeführt werden. Ist anschliessend keine Rezidivprophylaxe (vorsorgliche Einnahme zur Verhütung eines Rückfalls) notwendig, kann das Antidepressivum schrittweise unter ärztlicher Kontrolle wieder abgesetzt werden.

Ändern Sie nie die Dosis im Alleingang (weder erhöhen noch reduzieren), auch wenn sich Ihr Gesundheitszustand verändert hat. Halten Sie immer zunächst Rücksprache mit Ihrem Arzt!

Pharmakokinetik

max. Plasmakonzentration: nach 2-4 Stunden

Halbwertszeit: 5-21 Stunden

Bioverfügbarkeit: 40-45%

Wirkungseintritt: nach 2-5 Wochen täglicher Einnahme

Diese Werte sind als Durchschnittswerte anzusehen. Je nach Alter, Nahrungsaufnahme und der Kombination mit anderen Medikamenten können diese Werte (teilweise stark) variieren.

Nebenwirkungen

Sehr häufig (mehr als 10%): Schwitzen, Übelkeit, Mundtrockenheit, Kopfschmerzen, Schläfrigkeit, Schlaflosigkeit, Schwindel, Verstopfungen.

Häufig (1-10%): Sexuelle Funktionsstörungen (inkl. Libidoverlust), Menstruationsstörungen, Harnverhalt, verzögertes Wasserlassen, vermehrtes Wasserlassen, verminderter Appetit, Erbrechen, Gähnen, Bluthochdruck, Hitzewallungen, Herzklopfen, Herzrasen, Sehstörungen, verringertes Scharfsehen, grosse Pupillen, erhöhte Muskelspannung, Missempfindungen der Haut (Kribbeln, Taubheitsgefühl etc.), Zittern (Tremor), Nervosität, ungewöhnliche Träume, Unruhe, Angstgefühle, erhöhte Cholesterinwerte, Gewichtsabnahme, Gewichtszunahme, Erschöpfung, Schüttelfrost, motorische Unruhe, Veränderungen des Geschmacksempfindens, Tinnitus, Kurzatmigkeit, Durchfall, Juckreiz, Kraftlosigkeit.

Gelegentlich (0.1-1%): Lichtüberempfindlichkeitsreaktionen der Haut, spontanes Wasserlassen (Einnässen), Hautausschlag, Haarausfall, Leberwertveränderungen (Erhöhungen von Transaminasen und Cholestaseenzymen), nächtliches Zähneknirschen, Blutungen im Verdauungstrakt, niedriger Blutdruck, Ohnmachtsanfälle, Muskelzuckungen, beeinträchtigte Koordination und Balance, Teilnahmslosigkeit (Apathie), Halluzination, Unruhe, Angioödem, Hautblutungen, Verwirrtheit, Manie, Unwirklichkeits- und Entfremdungsgefühle (Depersonalisation/Derealisation), Suizidgedanken, Aggression, Bewegungsstörungen, Nesselsucht, Blutungen ausserhalb des Menstruationszyklus, verlängerte Regelblutung, erhöhtes Risiko von Knochenbrüchen.

Selten (0.01-0.1%): Veränderte Blutwerte (Agranulozytose, aplastische Anämie, Panzytopenie, Neutropenie, Hyponatriämie), Hepatitis, Gelbsucht, Leberversagen, Herzrhythmusstörungen (einschliesslich Torsade de Pointes, Kammerflimmern, Kammertachykardie), Verlängerung des QT-Intervalls im EKG, Krampfanfälle, psychomotorische Unruhe, Angioödem, anaphylaktische Reaktion, inadäquate Ausschüttung des antidiuretischen Hormons, Delirium, Serotonin-Syndrom, grüner Star, Lungenerkrankungen, Entzündung der Bauchspeicheldrüse, gefährliche Hautreaktionen (Stevens-Johnson Syndrom, toxische epidermale Nekrolyse), Hautrötungen, Rhabdomyolyse.

Weitere (sehr seltene Nebenwirkungen/Einzelfälle/Häufigkeit unbekannt): Veränderte Blutwerte (Thrombozytopenie, erhöhter Prolaktinspiegel), Schleimhautblutungen, selbstverletzendes Verhalten (SVV), Absetzsymptome.

Menschen mit Depressionen und/oder Angststörungen gehen oft automatisch davon aus, sämtliche und/oder die schwersten Nebenwirkungen zu entfalten. Diese Annahme ist objektiv nicht begründet. Üblicherweise lassen die meisten (nicht alle) unerwünschten Wirkungen mit der Zeit nach oder verschwinden ganz. Bei schwerwiegenden Komplikationen muss jedoch ein Arzt konsultiert werden.

Kontraindikationen & Wechselwirkungen

Fragen Sie, bevor Sie Medikamente einnehmen immer Ihren Arzt oder Apotheker bezüglich Nebenwirkungen, Kontraindikationen (Gegenanzeigen) und Wechselwirkungen mit anderen (auch frei verkäuflichen) Medikamenten.

 

Nicht einnehmen dürfen Sie Venlafaxin:

  • Wenn Sie allergisch gegenüber einem Inhaltsstoff Ihres Venlafaxin-Präparates sind.
  • Wenn Sie gleichzeitig MAO-Hemmer einnehmen oder in den vergangenen 14 Tagen eingenommen haben. Dazu gehören unter anderem Selegilin (zur Behandlung der Parkinson Krankheit), Moclobemid oder Tranylcypromin (zur Behandlung von Depressionen), Linezolid (ein Antibiotikum zur Behandlung schwerster, komplizierter Infektionen) und Methylenblau.
  • Wenn Sie minderjährig sind.

 

Bei der Einnahme von Venlafaxin ist Vorsicht geboten…

  • Wenn Sie an einer Leber- oder Nierenfunktionsstörung leiden.
  • Wenn Sie an Epilepsie (Anfallserkrankungen) leiden oder früher Krampfanfälle hatten.
  • Wenn Sie Salzmangel (niedrige Natriumspiegel im Blut) haben.
  • Wenn bei Ihnen eine verstärkte Neigung zu Blutungen oder Blutergüssen besteht.
  • Wenn Sie an Störungen der Herzfunktion leiden oder gelitten haben oder vor kurzem einen Herzanfall hatten.
  • Wenn bei Ihnen ein erhöhter Augeninnendruck festgestellt wurde.
  • Wenn Sie an erhöhten Cholesterinwerten leiden.
  • Wenn Sie in ihrer Vorgeschichte eine Manie/Hypomanie hatten.

 

Venlafaxin soll mit den folgenden Arzneimitteln nur mit Vorsicht angewendet werden:

  • Andere Antidepressiva (inkl. Johannniskraut)
  • Triptane (Arzneimittel zur Behandlung von Migräne)
  • Amphetamine
  • Methylphenidat (z.B. Ritalin)
  • Lithium
  • Tramadol (Schmerzmittel)
  • Fentanyl (Schmerzmittel)
  • Tapentadol (Schmerzmittel)
  • Dextromethorphan (Hustenstiller)
  • Methadon (Substitutions-Opioid)
  • Tryptophan
  • Ketoconazol (gegen Pilzinfektionen)
  • Die Neuroleptika Haloperidol, Risperidon und Clozapin
  • Metoprolol (gegen Bluthochdruck und Herzbeschwerden)
  • Cimetidin (gegen Magenübersäuerung)
  • Alle Arten von Appetitzügler
  • Arzneimittel, welche die Blutgerinnung beeinflussen (wie z.B. Acetylsalicylsäure oder nichtsteroidale Entzündungshemmer)
  • Amiodaron (gegen Herzrhythmusstörungen), auch wenn die Einnahme bereits mehrere Monate zurückliegt.

 

Diese Liste entspricht den aktuell verfügbaren Informationen, weitere Interaktionen und Kontraindikationen sind allerdings keineswegs auszuschliessen! Sprechen Sie unbedingt Ihren Arzt auf bestehende Erkrankungen und Veränderungen Ihrer Medikation (betrifft auch rezeptfreie Präparate) an, auch wenn auf dieser Liste keine Informationen vermerkt sind.

 

Schwangerschaft & Stillzeit

Venlafaxin sollte während der Schwangerschaft nur verabreicht werden, wenn es zwingend erforderlich ist.

Nach Einnahme von Venlafaxin bzw. anderen SNRI’s am Ende der Schwangerschaft, traten bei einigen Neugeborenen folgende Absetzsymptome auf: Ess- und Schlafstörungen, Atmungsschwierigkeiten, bläuliche Verfärbung der Haut, Atemunterbrüche, Krampfanfälle, Temperaturschwankungen, zu niedriger Blutzuckerspiegel, Tremor, abnormale Muskelspannungen, gesteigerte Reflexbereitschaft, Erbrechen, abnormale Irritabilität, Überspanntheit, Lethargie, Schläfrigkeit und anhaltendes Weinen.

Eine SNRI-Exposition in der späten Schwangerschaft kann das Risiko für eine persistierende pulmonale Hypertonie beim Neugeborenen (PPHN) erhöhen.

Venlafaxin geht in die Muttermilch über. Ein Risiko für das gestillte Kind kann nicht ausgeschlossen werden. Daher darf während der Behandlung mit Venlafaxin nicht gestillt werden.

Studien

Vergleich mit Imipramin: In einer sechs Wochen dauernden Doppelblindstudie erhielten 224 ambulante Patienten mit «Major Depression» Venlafaxin, Imipramin oder Placebo. Als Beurteilungsgrundlage dienten die vier Beurteilungsskalen HAM-D, MADRS, CGI und HSCL. Die Medikamente wurden dreimal täglich eingenommen und im Verlauf der ersten zwei Wochen (soweit verträglich) allmählich gesteigert. Von der dritten Woche an betrug die Venlafaxin-Tagesdosis durchschnittlich etwa 175 mg, die Imipramin-Tagesdosis etwa 170 mg. Sowohl Venlafaxin als auch Imipramin führten zu einer gegenüber Placebo signifikanten Abnahme der Punktezahl in den verschiedenen Skalen. Dagegen ergab sich kein eindeutiger Unterschied zwischen Venlafaxin und Imipramin. Über ein Drittel der aktiv Behandelten brach die Studie vorzeitig ab; dies erfolgte in der Imipramin-Gruppe deutlich häufiger wegen unerwünschten Wirkungen.

Venlafaxin ist auch in einer Langzeit-Doppelblindstudie mit Imipramin verglichen worden. Auch hier handelte es sich um Personen mit «Major Depression». 290 Patienten erhielten Venlafaxin, 91 Imipramin. Die Tagesdosen der verwendeten Medikamente konnten zwischen 75 und 225 mg betragen. In dieser Studie galt das Hauptinteresse den unerwünschten Wirkungen. Nur 30% der mit Venlafaxin und 20% der mit Imipramin Behandelten beendeten die Studie planmässig erst nach einem vollen Jahr; schon nach einem Vierteljahr hatte rund die Hälfte der Patienten die Studie verlassen. Unerwünschte Wirkungen waren jedoch in beiden Gruppen nur bei etwa einem Drittel der Patienten für den Abbruch verantwortlich. Die antidepressive Wirksamkeit wurde mit der CGI-Skala beurteilt; es ergaben sich keine signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Medikamenten.

Vergleich mit Trazodon: In einer sechswöchigen placebokontrollierten Doppelblindstudie wurde Venlafaxin auch mit Trazodon verglichen. Von 225 depressiven Patienten beendeten 149 die Studie, die durchschnittlichen Tagesdosen betrugen 160 mg Venlafaxin und 300 mg Trazodon. Obwohl sich am Ende der Studie kein signifikanter Unterschied zwischen Venlafaxin-, Trazodon- und Placebo-Gruppe zeigen liess, ergab sich gesamthaft ein eindeutiger Vorteil der beiden (etwa gleichwertigen) aktiven Medikamente.

Vergleich mit Fluoxetin: Mit selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI) ist Venlafaxin bisher nur sehr wenig verglichen worden. In einer multizentrischen Doppelblindstudie wurde Venlafaxin mit Fluoxetin verglichen. Für diese Studie wurden 68 hospitalisierte Patienten mit «melancholischer» Depression ausgewählt. Diese Patienten erhielten täglich entweder 200 mg Venlafaxin oder 40 mg Fluoxetin. Die Beurteilung erfolgte nach den drei Skalen MADRS, HAM-D und CGI; die Patienten wurden insgesamt sechs Wochen behandelt und während dieser Zeit siebenmal untersucht. Gegenüber den Ausgangswerten konnte schon nach wenigen Tagen unter beiden Medikamenten eine deutliche Besserung gezeigt werden. Venlafaxin war bei allen Untersuchungsdaten der Vergleichssubstanz überlegen; dieser Unterschied erreichte jedoch erst nach vier und sechs Wochen statistische Signifikanz. Es scheint also, dass Venlafaxin – ähnlich wie die trizyklischen Antidepressiva – bei dieser besonders schweren Form der Depression wirksamer ist als die selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI).

Vergleich mit Bupropion: Eine Studien mit Bupropion hat gezeigt, dass bezogen auf Response und Remission Venlafaxin im Vergleich besser wirkt.

Vergleich mit Escitalopram: In einer achtwöchigen Doppelblindstudie, die lediglich in Kurzform publiziert ist, erwies sich Escitalopram (10 bis 20 mg/Tag) im Vergleich mit Venlafaxin (75 bis 150 mg/Tag) als leicht überlegen.

Vergleich mit Citalopram: In einer weiteren Doppelblindstudie wurde Citalopram mit Venlafaxin verglichen, wobei Venlafaxin Citalopram leicht überlegen war.

Weiteres: In einer offenen Studie erhielten 84 Patienten mit «therapieresistenter» Depression Venlafaxin. Es handelte sich um Kranke, die trotz intensiver Behandlung mit verschiedenen anderen Antidepressiva eine «Major Depression» aufwiesen. Die Venlafaxin-Dosis wurde innerhalb der ersten Woche rasch auf 150 mg/Tag eingestellt und in der Folge nach Bedarf bis auf ein Maximum von 450 mg/Tag gesteigert. Gemäss den Resultaten, die bei 70 Patienten während einer Behandlung von 12 Wochen gewonnen wurden, konnte bei 15 bis 20% der Behandelten ein wesentliche und bei weiteren 10 bis 15% eine teilweise Besserung der depressiven Symptome erreicht werden.

Bedenken Sie, dass die Studien keine Aussage über das Ansprechen einer individuellen Person aussagt.

Der Autor hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt.
Dieses Medikament ist rezeptpflichtig. Die Einnahme muss ärztlich überwacht werden.

Venlafaxin

Antidepressivum (SNRI) | Handelsnamen: Trevilor, Efexor, Efectin sowie div. Generika

Allgemeine Informationen

Venlafaxin wurde durch den Pharmahersteller Wyeth entwickelt und patentiert. Das Medikament wurde 1996 in Europa zugelassen.

Venlafaxin ist ein Antidepressivum aus der Gruppe der „selektiven Serotonin und Noradrenalin Wiederaufnahme-Hemmer“ (SNRI) und wird unter den Handelsnamen Trevilor, Efexor und Efectin vertrieben. Hinzu kommen zahlreiche Generika. Das Medikament ist zur Behandlung von Depressionen, Panikstörungen (inkl. Agoraphobie), generalisierten Angststörungen und sozialer Phobie zugelassen. Es ist ab 18 Jahren erhältlich. Bezüglich der Fahrtüchtigkeit und dem Bedienen von Maschinen gibt es keine Einschränkungen. Warten Sie jedoch zunächst ab bis Sie wissen, wie Sie auf das Medikament reagieren. Bezüglich Alkohol sind keine Wechselwirkungen bekannt, dennoch ist Vorsicht geboten.

Venlafaxin hemmt den Serotonin-Transporter mit etwa 30-facher Affinität (30:1) im Vergleich zum Noradrenalin-Transporter (bzw. hemmt die Wiederaufnahme von Serotonin 30x stärker als jene von Noradrenalin). Die Wiederaufnahme von Dopamin wird ebenfalls beeinflusst, allerdings sehr schwach. In der Praxis bedeutet dies, dass Venlafaxin in niedrigen Dosierungen eher einem SSRI gleicht und seine noradrenerge Komponente erst ab höheren Dosierungen zum Tragen kommt (ab ca. 150mg). SNRI’s welche die Noradrenalin-Wiederaufnahme von Beginn weg und stärker hemmen sind Duloxetin (10:1) und Milnacipran (1:1).

Venlafaxin ist noch heute das am häufigsten verschriebene SNRI auf dem europäischen Markt.

Indikation
  • Depression (inkl. Rezidivprophylaxe)
  • Panikstörung (mit oder ohne Agoraphobie)
  • Generalisierte Angststörung
  • Soziale Phobie
Dosierung & Anwendung

Einnahme: 1x täglich mit dem Frühstück.
Die Einnahme muss täglich erfolgen.

Zieldosis: 75-375mg (pro Tag)

Die hier erwähnte Dosierung bezieht sich auf Erwachsene ohne körperliche Einschränkungen im Alter zwischen 18 und 65 Jahren deren Behandlung ambulant erfolgt. Grundsätzlich muss die Dosis von einem Arzt individuell festgelegt werden. Sie kann somit von den hier erwähnten Angaben abweichen.

Antidepressiva werden langsam „eingeschlichen“. Das heisst, dass zu Beginn die niedrigste Dosis verabreicht und diese anschliessend (nach einigen Tagen/Wochen) schrittweise bis zur Zieldosis gesteigert wird. Bei einem positiven Ansprechen auf das Medikament, sollte die Einnahme mind. 6 Monate nach dem Abklingen sämtlicher Symptome weitergeführt werden. Ist anschliessend keine Rezidivprophylaxe (vorsorgliche Einnahme zur Verhütung eines Rückfalls) notwendig, kann das Antidepressivum schrittweise unter ärztlicher Kontrolle wieder abgesetzt werden.

Ändern Sie nie die Dosis im Alleingang (weder erhöhen noch reduzieren), auch wenn sich Ihr Gesundheitszustand verändert hat. Halten Sie immer zunächst Rücksprache mit Ihrem Arzt!

Pharmakokinetik

max. Plasmakonzentration: 2-4 Stunden

Halbwertszeit: 5-21 Stunden

Bioverfügbarkeit: 40-45%

Wirkungseintritt: 2-5 Wochen

Diese Werte sind als Durchschnittswerte anzusehen. Je nach Alter, Nahrungsaufnahme und der Kombination mit anderen Medikamenten können diese Werte (teilweise stark) variieren.

Nebenwirkungen

Sehr häufig (mehr als 10%):

  • Schwitzen
  • Übelkeit
  • Mundtrockenheit
  • Kopfschmerzen
  • Schläfrigkeit
  • Schlaflosigkeit
  • Schwindel
  • Verstopfungen

Häufig (1-10%):

  • Sexuelle Funktionsstörungen (inkl. Libidoverlust)
  • Menstruationsstörungen
  • Harnverhalt
  • Verzögertes Wasserlassen
  • Vermehrtes Wasserlassen
  • Verminderter Appetit
  • Erbrechen
  • Gähnen
  • Bluthochdruck
  • Hitzewallungen
  • Herzklopfen
  • Herzrasen
  • Sehstörungen
  • Verringertes Scharfsehen
  • Grosse Pupillen
  • Erhöhte Muskelspannung
  • Missempfindungen der Haut (Kribbeln, Taubheitsgefühl etc.)
  • Zittern (Tremor)
  • Nervosität
  • Ungewöhnliche Träume
  • Unruhe
  • Angstgefühle
  • Erhöhte Cholesterinwerte
  • Gewichtsabnahme
  • Gewichtszunahme
  • Erschöpfung
  • Schüttelfrost
  • Motorische Unruhe
  • Veränderungen des Geschmacksempfindens
  • Tinnitus
  • Kurzatmigkeit
  • Durchfall
  • Juckreiz
  • Kraftlosigkeit

Gelegentlich (0.1-1%):

  • Lichtüberempfindlichkeitsreaktionen der Haut
  • Spontanes Wasserlassen (Einnässen)
  • Hautausschlag
  • Haarausfall
  • Leberwertveränderungen (Erhöhungen von Transaminasen und Cholestaseenzymen)
  • Nächtliches Zähneknirschen
  • Blutungen im Verdauungstrakt
  • Niedriger Blutdruck
  • Ohnmachtsanfälle
  • Muskelzuckungen
  • Beeinträchtigte Koordination und Balance
  • Teilnahmslosigkeit (Apathie)
  • Halluzinationen
  • Unruhe
  • Angioödem
  • Hautblutungen
  • Verwirrtheit
  • Manie
  • Unwirklichkeits- und Entfremdungsgefühle (Depersonalisation/Derealisation)
  • Suizidgedanken
  • Aggression
  • Bewegungsstörungen
  • Nesselsucht
  • Blutungen ausserhalb des Menstruationszyklus
  • Verlängerte Regelblutung
  • Erhöhtes Risiko von Knochenbrüchen

Selten (0.01-0.1%):

  • Veränderte Blutwerte (Agranulozytose, aplastische Anämie, Panzytopenie, Neutropenie, Hyponatriämie)
  • Hepatitis
  • Gelbsucht
  • Leberversagen
  • Herzrhythmusstörungen (einschliesslich Torsade de Pointes, Kammerflimmern, Kammertachykardie)
  • Verlängerung des QT-Intervalls im EKG
  • Krampfanfäll
  • Psychomotorische Unruhe
  • Angioödem
  • Anaphylaktische Reaktion
  • Inadäquate Ausschüttung des antidiuretischen Hormons
  • Delirium
  • Serotonin-Syndrom
  • Grüner Star
  • Lungenerkrankungen
  • Entzündung der Bauchspeicheldrüse
  • gefährliche Hautreaktionen (Stevens-Johnson Syndrom, toxische epidermale Nekrolyse)
  • Hautrötungen
  • Rhabdomyolyse

Weitere (sehr seltene Nebenwirkungen / Einzelfälle / Häufigkeit unbekannt):

  • Veränderte Blutwerte (Thrombozytopenie, erhöhter Prolaktinspiegel)
  • Schleimhautblutungen
  • Selbstverletzendes Verhalten (SVV)
  • Absetzsymptome

Menschen mit Depressionen und/oder Angststörungen gehen oft automatisch davon aus, sämtliche und/oder die schwersten Nebenwirkungen zu entfalten. Diese Annahme ist objektiv nicht begründet. Üblicherweise lassen die meisten (nicht alle) unerwünschten Wirkungen mit der Zeit nach oder verschwinden ganz. Bei schwerwiegenden Komplikationen muss jedoch ein Arzt konsultiert werden.

Kontraindikationen & Wechselwirkungen

Fragen Sie, bevor Sie Medikamente einnehmen immer Ihren Arzt oder Apotheker bezüglich Nebenwirkungen, Kontraindikationen (Gegenanzeigen) und Wechselwirkungen mit anderen (auch frei verkäuflichen) Medikamenten.

 

Nicht einnehmen dürfen Sie Venlafaxin:

  • Wenn Sie allergisch gegenüber einem Inhaltsstoff Ihres Venlafaxin-Präparates sind.
  • Wenn Sie gleichzeitig MAO-Hemmer einnehmen oder in den vergangenen 14 Tagen eingenommen haben. Dazu gehören unter anderem Selegilin (zur Behandlung der Parkinson Krankheit), Moclobemid oder Tranylcypromin (zur Behandlung von Depressionen), Linezolid (ein Antibiotikum zur Behandlung schwerster, komplizierter Infektionen) und Methylenblau.
  • Wenn Sie minderjährig sind.

 

Bei der Einnahme von Venlafaxin ist Vorsicht geboten…

  • Wenn Sie an einer Leber- oder Nierenfunktionsstörung leiden.
  • Wenn Sie an Epilepsie (Anfallserkrankungen) leiden oder früher Krampfanfälle hatten.
  • Wenn Sie Salzmangel (niedrige Natriumspiegel im Blut) haben.
  • Wenn bei Ihnen eine verstärkte Neigung zu Blutungen oder Blutergüssen besteht.
  • Wenn Sie an Störungen der Herzfunktion leiden oder gelitten haben oder vor kurzem einen Herzanfall hatten.
  • Wenn bei Ihnen ein erhöhter Augeninnendruck festgestellt wurde.
  • Wenn Sie an erhöhten Cholesterinwerten leiden.
  • Wenn Sie in ihrer Vorgeschichte eine Manie/Hypomanie hatten.

 

Venlafaxin soll mit den folgenden Arzneimitteln nur mit Vorsicht angewendet werden:

  • Andere Antidepressiva (inkl. Johannniskraut)
  • Triptane (Arzneimittel zur Behandlung von Migräne)
  • Amphetamine
  • Methylphenidat (z.B. Ritalin)
  • Lithium
  • Tramadol (Schmerzmittel)
  • Fentanyl (Schmerzmittel)
  • Tapentadol (Schmerzmittel)
  • Dextromethorphan (Hustenstiller)
  • Methadon (Substitutions-Opioid)
  • Tryptophan
  • Ketoconazol (gegen Pilzinfektionen)
  • Die Neuroleptika Haloperidol, Risperidon und Clozapin
  • Metoprolol (gegen Bluthochdruck und Herzbeschwerden)
  • Cimetidin (gegen Magenübersäuerung)
  • Alle Arten von Appetitzügler
  • Arzneimittel, welche die Blutgerinnung beeinflussen (wie z.B. Acetylsalicylsäure oder nichtsteroidale Entzündungshemmer)
  • Amiodaron (gegen Herzrhythmusstörungen), auch wenn die Einnahme bereits mehrere Monate zurückliegt.

Diese Liste entspricht den aktuell verfügbaren Informationen, weitere Interaktionen und Kontraindikationen sind allerdings keineswegs auszuschliessen! Sprechen Sie unbedingt Ihren Arzt auf bestehende Erkrankungen und Veränderungen Ihrer Medikation (betrifft auch rezeptfreie Präparate) an, auch wenn auf dieser Liste keine Informationen vermerkt sind.

Schwangerschaft & Stillzeit

Venlafaxin sollte während der Schwangerschaft nur verabreicht werden, wenn es zwingend erforderlich ist.

Nach Einnahme von Venlafaxin bzw. anderen SNRI’s am Ende der Schwangerschaft, traten bei einigen Neugeborenen folgende Absetzsymptome auf: Ess- und Schlafstörungen, Atmungsschwierigkeiten, bläuliche Verfärbung der Haut, Atemunterbrüche, Krampfanfälle, Temperaturschwankungen, zu niedriger Blutzuckerspiegel, Tremor, abnormale Muskelspannungen, gesteigerte Reflexbereitschaft, Erbrechen, abnormale Irritabilität, Überspanntheit, Lethargie, Schläfrigkeit und anhaltendes Weinen.

Eine SNRI-Exposition in der späten Schwangerschaft kann das Risiko für eine persistierende pulmonale Hypertonie beim Neugeborenen (PPHN) erhöhen.

Venlafaxin geht in die Muttermilch über. Ein Risiko für das gestillte Kind kann nicht ausgeschlossen werden. Daher darf während der Behandlung mit Venlafaxin nicht gestillt werden.

Studien

Vergleich mit Imipramin: In einer sechs Wochen dauernden Doppelblindstudie erhielten 224 ambulante Patienten mit «Major Depression» Venlafaxin, Imipramin oder Placebo. Als Beurteilungsgrundlage dienten die vier Beurteilungsskalen HAM-D, MADRS, CGI und HSCL. Die Medikamente wurden dreimal täglich eingenommen und im Verlauf der ersten zwei Wochen (soweit verträglich) allmählich gesteigert. Von der dritten Woche an betrug die Venlafaxin-Tagesdosis durchschnittlich etwa 175 mg, die Imipramin-Tagesdosis etwa 170 mg. Sowohl Venlafaxin als auch Imipramin führten zu einer gegenüber Placebo signifikanten Abnahme der Punktezahl in den verschiedenen Skalen. Dagegen ergab sich kein eindeutiger Unterschied zwischen Venlafaxin und Imipramin. Über ein Drittel der aktiv Behandelten brach die Studie vorzeitig ab; dies erfolgte in der Imipramin-Gruppe deutlich häufiger wegen unerwünschten Wirkungen.

Venlafaxin ist auch in einer Langzeit-Doppelblindstudie mit Imipramin verglichen worden. Auch hier handelte es sich um Personen mit «Major Depression». 290 Patienten erhielten Venlafaxin, 91 Imipramin. Die Tagesdosen der verwendeten Medikamente konnten zwischen 75 und 225 mg betragen. In dieser Studie galt das Hauptinteresse den unerwünschten Wirkungen. Nur 30% der mit Venlafaxin und 20% der mit Imipramin Behandelten beendeten die Studie planmässig erst nach einem vollen Jahr; schon nach einem Vierteljahr hatte rund die Hälfte der Patienten die Studie verlassen. Unerwünschte Wirkungen waren jedoch in beiden Gruppen nur bei etwa einem Drittel der Patienten für den Abbruch verantwortlich. Die antidepressive Wirksamkeit wurde mit der CGI-Skala beurteilt; es ergaben sich keine signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Medikamenten.

Vergleich mit Trazodon: In einer sechswöchigen placebokontrollierten Doppelblindstudie wurde Venlafaxin auch mit Trazodon verglichen. Von 225 depressiven Patienten beendeten 149 die Studie, die durchschnittlichen Tagesdosen betrugen 160 mg Venlafaxin und 300 mg Trazodon. Obwohl sich am Ende der Studie kein signifikanter Unterschied zwischen Venlafaxin-, Trazodon- und Placebo-Gruppe zeigen liess, ergab sich gesamthaft ein eindeutiger Vorteil der beiden (etwa gleichwertigen) aktiven Medikamente.

Vergleich mit Fluoxetin: Mit selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI) ist Venlafaxin bisher nur sehr wenig verglichen worden. In einer multizentrischen Doppelblindstudie wurde Venlafaxin mit Fluoxetin verglichen. Für diese Studie wurden 68 hospitalisierte Patienten mit «melancholischer» Depression ausgewählt. Diese Patienten erhielten täglich entweder 200 mg Venlafaxin oder 40 mg Fluoxetin. Die Beurteilung erfolgte nach den drei Skalen MADRS, HAM-D und CGI; die Patienten wurden insgesamt sechs Wochen behandelt und während dieser Zeit siebenmal untersucht. Gegenüber den Ausgangswerten konnte schon nach wenigen Tagen unter beiden Medikamenten eine deutliche Besserung gezeigt werden. Venlafaxin war bei allen Untersuchungsdaten der Vergleichssubstanz überlegen; dieser Unterschied erreichte jedoch erst nach vier und sechs Wochen statistische Signifikanz. Es scheint also, dass Venlafaxin – ähnlich wie die trizyklischen Antidepressiva – bei dieser besonders schweren Form der Depression wirksamer ist als die selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI).

Vergleich mit Bupropion: Eine Studien mit Bupropion hat gezeigt, dass bezogen auf Response und Remission Venlafaxin im Vergleich besser wirkt.

Vergleich mit Escitalopram: In einer achtwöchigen Doppelblindstudie, die lediglich in Kurzform publiziert ist, erwies sich Escitalopram (10 bis 20 mg/Tag) im Vergleich mit Venlafaxin (75 bis 150 mg/Tag) als leicht überlegen.

Vergleich mit Citalopram: In einer weiteren Doppelblindstudie wurde Citalopram mit Venlafaxin verglichen, wobei Venlafaxin Citalopram leicht überlegen war.

Weiteres: In einer offenen Studie erhielten 84 Patienten mit «therapieresistenter» Depression Venlafaxin. Es handelte sich um Kranke, die trotz intensiver Behandlung mit verschiedenen anderen Antidepressiva eine «Major Depression» aufwiesen. Die Venlafaxin-Dosis wurde innerhalb der ersten Woche rasch auf 150 mg/Tag eingestellt und in der Folge nach Bedarf bis auf ein Maximum von 450 mg/Tag gesteigert. Gemäss den Resultaten, die bei 70 Patienten während einer Behandlung von 12 Wochen gewonnen wurden, konnte bei 15 bis 20% der Behandelten ein wesentliche und bei weiteren 10 bis 15% eine teilweise Besserung der depressiven Symptome erreicht werden.

Bedenken Sie, dass die Studien keine Aussage über das Ansprechen einer individuellen Person aussagt.

Der Autor hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt. Dieses Medikament ist rezeptpflichtig. Die Einnahme muss ärztlich überwacht werden.