weitere Erkankungen

Auswahl weiterer psychischer Erkrankungen

Posttraumatische-Belastungsstörung (PTBS)

Eine PTBS ist die Reaktion auf ein Trauma aussergewöhnlichen Ausmasses, das nicht verarbeitet werden kann. Dabei muss die Bedrohung nicht unbedingt direkt die eigene Person betreffen, sondern sie kann auch bei anderen beobachtet worden sein. Oftmals kommt es zu Flashbacks (Nachhallerinnerungen), emotionaler Taubheit (Numbing) und tiefer Verunsicherung. 

Das internationale Diagnoseverzeichnis ICD-10 definiert folgende Kriterien bezüglich einer PTBS:

  • Der Betroffene war (kurz oder lang anhaltend) einem belastenden Ereignis von aussergewöhnlicher Bedrohung oder mit katastrophalem Ausmass ausgesetzt, das bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde.
  • Es müssen anhaltende Erinnerungen an das traumatische Erlebnis oder das wiederholte Erleben des Traumas in sich aufdrängenden Erinnerungen (Nachhallerinnerungen, Flashbacks, Träumen oder Albträumen) oder eine innere Bedrängnis in Situationen, die der Belastung ähneln oder damit in Zusammenhang stehen, vorhanden sein.
  • Der Betroffene vermeidet (tatsächlich oder möglichst) Umstände, die der Belastung ähneln.
  • Mindestens eines der folgenden Kriterien (1. oder 2.) ist erfüllt: 1. Eine teilweise oder vollständige Unfähigkeit, sich an einige wichtige Aspekte des belastenden Erlebnisses zu erinnern oder 2. Zwei der folgenden anhaltenden Symptome einer erhöhten psychischen Sensitivität und Erregung: Ein- und/oder Durchschlafstörungen, erhöhte Schreckhaftigkeit, Hypervigilanz (erhöhte/übertriebene Wachsamkeit), Konzentrationsstörungen, Reizbarkeit/Wutausbrüche.
  • Die Symptome müssen innerhalb von sechs Monaten nach dem belastenden Ereignis (oder der Belastungsperiode) auftreten.

Bis zu 90% der von PTBS betroffenen Personen weisen mind. eine weitere psychische Erkrankung auf. Besonders häufig sind komorbide (also mit der PTBS zusammenhängende) Depressionen und Angstzustände.

Im Wortlaut definiert das ICD-10 die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) unter Punkt F43.1 wie folgt: «Die PTBS entsteht als eine verzögerte oder protrahierte Reaktion auf ein belastendes Ereignis oder eine Situation kürzerer oder längerer Dauer, mit außergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigem Ausmaß, die bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde. Prädisponierende Faktoren wie bestimmte, z.B. zwanghafte oder asthenische Persönlichkeitszüge oder neurotische Krankheiten in der Vorgeschichte können die Schwelle für die Entwicklung dieses Syndroms senken und seinen Verlauf erschweren, aber die letztgenannten Faktoren sind weder notwendig noch ausreichend, um das Auftreten der Störung zu erklären. Typische Merkmale sind das wiederholte Erleben des Traumas in sich aufdrängenden Erinnerungen (Nachhallerinnerungen, Flashbacks), Träumen oder Albträumen, die vor dem Hintergrund eines andauernden Gefühls von Betäubtsein und emotionaler Stumpfheit auftreten. Ferner finden sich Gleichgültigkeit gegenüber anderen Menschen, Teilnahmslosigkeit der Umgebung gegenüber, Freudlosigkeit sowie Vermeidung von Aktivitäten und Situationen, die Erinnerungen an das Trauma wachrufen könnten. Meist tritt ein Zustand von vegetativer Übererregtheit mit Vigilanzsteigerung, einer übermäßigen Schreckhaftigkeit und Schlafstörung auf. Angst und Depression sind häufig mit den genannten Symptomen und Merkmalen assoziiert und Suizidgedanken sind nicht selten. Der Beginn folgt dem Trauma mit einer Latenz, die wenige Wochen bis Monate dauern kann.»

Zwangsstörungen

Für Menschen mit einer Zwangsstörung besteht ein innerer Zwang oder Drang, bestimmte Dinge zu denken oder zu tun. Die Betroffenen wehren sich zwar gegen diesen auftretenden Drang und erleben ihn als übertrieben und sinnlos, können ihm willentlich jedoch meist nichts entgegensetzen. 

Primär wird zwischen Zwangsgedanken und Zwangshandlungen unterschieden. Zwangsgedanken sind inhaltliche Denkstörungen im Sinne sich zwanghaft immer wieder aufdrängender, jedoch als unsinnig erkannter Denkinhalte. Zwangshandlungen sind zwanghaft gegen oder ohne den Willen ausgeführte Handlungen. Beim Versuch, die Handlungen zu unterlassen, treten massive innere Anspannung und Angst auf. Zwangsgedanken wie Zwangshandlungen sind Stereotypen die immer wieder wiederholt werden müssen. 

Zwangsgedanken kann man aufteilen in:

  • Zwangsideen und -befürchtungen (z.B. dass einem Verwandten/Bekannten etwas zustossen könnte)
  • Agressive Zwangsgedanken (z.B. Angst jemandem Schaden zu zufügen)
  • Grübelzwang (z.B. müssen die gleichen Themen immer wieder durchdacht werden ohne einen Ansatz einer Lösung zu finden)
  • Zweifel (z.B. permanente Unsicherheit etwas falsch verstanden zu haben)
  • Zählzwang (z.B. bestimmte Dinge die im Alltag auftauchen immer wieder zählen zu müssen)
  • Wiederholungen (z.B. Wiederholung immer derselben Gedanken)
  • Erledigungszwang (z.B. müssen Dinge immer sofort erledigt werden)

Zwangshandlungen kann man aufteilen in:

  • Reinlichkeitszwang (z.B. dauerndes Händewaschen oder Putzen ohne objektive Notwendigkeit)
  • Kontrollzwang (z.B. permanente Angst davor die Herdplatte nicht abgeschaltet zu haben)
  • Ordnungszwang (z.B. innerer Druck Dinge symmetrisch anzuordnen) 
  • Berührzwang (z.B. den Drang gewisse Dinge immer wieder zu berühren)
  • Verbaler Zwang (z.B. Wörter die zwanghaft immer und immer wieder wiederholt werden)

Wichtig ist dabei zu erwähnen, dass es sich um krankhafte Zwänge handelt die ein Ausmass annehmen, welches den Alltag massiv beeinträchtigt. Das internationale Diagnoseverzeichnis ICD-10 definiert des Weiteren folgende Kriterien für eine Zwangsstörung:

  • Die Zwangsgedanken oder zwanghaften Handlungsimpulse müssen vom Patienten als seine eigenen erkannt werden.
  • Mindestens gegen einen Zwangsgedanken oder gegen eine Zwangshandlung muss der Patient noch Widerstand leisten.
  • Der Zwangsgedanke oder die Zwangshandlung dürfen nicht an sich angenehm sein.
  • Die Zwangssymptome müssen sich in zutiefst unangenehmer Weise wiederholen.
  • Die Symptomatik muss über mindestens 14 Tage an den meisten Tagen bestehen.

Im Wortlaut definiert das ICD-10 unter dem Punkt F42.- wie folgt: «Wesentliche Kennzeichen sind wiederkehrende Zwangsgedanken und Zwangshandlungen. Zwangsgedanken sind Ideen, Vorstellungen oder Impulse, die den Patienten immer wieder stereotyp beschäftigen. Sie sind fast immer quälend, der Patient versucht häufig erfolglos, Widerstand zu leisten. Die Gedanken werden als zur eigenen Person gehörig erlebt, selbst wenn sie als unwillkürlich und häufig abstoßend empfunden werden. Zwangshandlungen oder -rituale sind Stereotypien, die ständig wiederholt werden. Sie werden weder als angenehm empfunden, noch dienen sie dazu, an sich nützliche Aufgaben zu erfüllen. Der Patient erlebt sie oft als Vorbeugung gegen ein objektiv unwahrscheinliches Ereignis, das ihm Schaden bringen oder bei dem er selbst Unheil anrichten könnte. Im Allgemeinen wird dieses Verhalten als sinnlos und ineffektiv erlebt, es wird immer wieder versucht, dagegen anzugehen. Angst ist meist ständig vorhanden. Werden Zwangshandlungen unterdrückt, verstärkt sich die Angst deutlich.» 

Borderline-Persönlichkeitsstörung

Die Borderline-Persönlichkeitsstörung (im deutsch-medizinischen Sprachgebrauch auch «emotional instabile Persönlichkeitsstörung des Borderline-Typs» genannt) ist eine psychische Erkrankung die durch Impulsivität, instabile zwischenmenschliche Beziehungen, rasche Stimmungswechsel und ein schwankendes Selbstbild aufgrund einer gestörten Selbstwahrnehmung gekennzeichnet ist. 

Im Zusammenhang mit der Borderline-Persönlichkeitsstörung ist für Laien das amerikanische Diagnoseverzeichnis DSM-V aufschlussreicher als das in den deutschsprachigen Staaten zugelassene Verzeichnis ICD-10.

Das DSM-V definiert neun Symptome von welchen fünf erfüllt sein müssen, damit es zur Diagnose «Borderline» kommt:

  • Hektisches Bemühen, tatsächliches oder vermutetes Verlassenwerden zu vermeiden.*
  • Ein Muster instabiler und intensiver zwischenmenschlicher Beziehungen, das durch einen Wechsel zwischen den Extremen der Idealisierung und Entwertung gekennzeichnet ist.
  • Identitätsstörung: ausgeprägte und andauernde Instabilität des Selbstbildes oder der Selbstwahrnehmung.
  • Impulsivität in mindestens zwei potenziell selbstschädigenden Bereichen, z. B. Geldausgaben, Sexualität, Substanzmissbrauch, rücksichtsloses Fahren, „Essanfälle“.*
  • Wiederholte suizidale Handlungen, Selbstmordandeutungen oder -drohungen oder Selbstverletzungsverhalten (SVV).
  • Affektive Instabilität infolge einer ausgeprägten Reaktivität der Stimmung, z. B. hochgradige episodische Misslaunigkeit (Dysphorie), Reizbarkeit oder Angst, wobei diese Verstimmungen gewöhnlich einige Stunden und nur selten mehr als einige Tage andauern.
  • Chronische Gefühle von Leere.
  • Unangemessene, heftige Wut oder Schwierigkeiten, die Wut zu kontrollieren, z. B. häufige Wutausbrüche, andauernde Wut, wiederholte körperliche Auseinandersetzungen.
  • Vorübergehende, durch Belastungen ausgelöste paranoide Vorstellungen oder schwere dissoziative Symptome.

*Hier werden keine suizidalen oder selbstverletzenden Handlungen berücksichtigt

Eine Borderline-Persönlichkeitsstörung wird rein theoretisch nur bei volljährigen Personen diagnostiziert, da gewisse Kriterien mit stark pubertierenden Verhaltensweisen übereinstimmen können. In der Praxis wird bei sehr starken Anzeichen jedoch auch bei Jugendlichen die Diagnose gestellt.

Angstzustände und allen voran Depressionen treten häufig im Zusammenhang mit einer Boderline-Persönlichkeitsstörung auf (Komorbidität).

Schizophrenie (Psychosen)

Psychose ist ein Sammelbegriff für diverse psychische Erkrankungen, welche mit einer Beeinträchtigung des Denkens, der Wahrnehmung und der Verarbeitung von Sinneseindrücken einhergehen. Die Schizophrenie ist die häufigste Form dieser Erkrankungen nicht organischen Ursprungs und wird häufig mit «irre sein» oder «den Verstand verlieren» gleich gesetzt. Dies trifft allerdings nur bedingt zu, da es verschiedene Formen der Schizophrenie gibt.

Grundsätzlich gibt es bei einer Schizophrenie sogenannte Positiv- und Negativsymptome, wobei «positiv» nicht im alltäglichen Sinne zu verstehen ist. Positivsymptome sind Beschwerden, welche zum «Normalzustand» hinzukommen (z.B. Halluzinationen), Negativsymptome sind Beschwerden dem «Normalzustand» abgezogen werden (z.B. Antriebslosigkeit). Im Detail…

Typische Positivsymptome sind:

  • Wahnhaftes Erleben (Wahngedanken, Wahnideen, Wahnvorstellungen): Die betroffene Person ist von Dingen (in der Regel paranoiden Inhalts) überzeugt, welcher jeglicher Realitätsgrundlage entbehren. Sie lässt sich durch Gespräche und Hinweise nicht von ihren wahnhaften Überzeugungen abbringen.
  • Halluzinationen: In den allermeisten Fällen auditiv. Typisch ist das hören von nicht existierenden Stimmen welche als real existierend wahrgenommen werden.
  • Ich-Störung (Auflösung der Ich-Umwelt-Grenze): Beispielsweise werden die eigenen Gedanken als von aussen eingegeben erlebt oder die Betroffenen haben das Gefühl, andere können ihre Gedanken lesen.
  • Formale Denkstörungen (insbesondere Denkzerfahrenheit): Gedankengänge und Zusammenhänge sind für Aussenstehende nicht nachvollziehbar.
  • Erregbarkeit: Innere Anspannung und leichte Reizbarkeit.

Typische Negativsymptome sind:

  • Antriebslosigkeit und Apathie: Die Betroffenen verlieren das Interesse an ihrer Umgebung. Sie wirken emotions- und teilnahmslos.
  • Freudlosigkeit (Anhedonie): Die Betroffenen sind nicht mehr fähig Freude, Lust oder Genuss zu empfinden.
  • Sprachverarmung (Alogie): Mangel an sprachlichen Äusserungen mit verzögerten, wortkargen Antworten und einer wenig differenzierten Sprache.
  • Verminderte oder unangemessene Gefühle (Affektverflachung): Auf Aussenstehende wirken die Betroffenen abgestumpft und ihre Gefühlsäusserungen sind reduziert.
  • Verminderte soziale Leistungsfähigkeit (Asozialität): Die Erkrankten ziehen sich emotional wie sozial zurück.
  • Psychomotorische Verlangsamung: Die Mimik wirkt abgeschwächt und verlangsamt. Im Extremfall katatone Symptome.
  • Aufmerksamkeitsstörungen: Mangelnde Fähigkeit zielgerichtetes Verhalten zu beginnen und beizubehalten (Avolition), Auffassungsstörungen und Konzentrationsstörungen.
  • Mangelnde Willenskraft (Abulie): Die Betroffenen haben Schwierigkeiten alltägliche Entscheidungen zu treffen.
  • Hinweis: Es besteht ein Risiko, dass nach einer akuten Phase die Negativsymptome in einer post-psychotischen Depression münden.

Es gibt verschiedene Arten der Schizophrenie. Folgend werden die vier klassischen Formen aufgelistet:

  • Die paranoide Schizophrenie ist die häufigste Form der Erkrankung. Bei ihr ist die Positivsymptomatik stark ausgeprägt. Oft kommt es nach der Akutphase zu Negativsymptomen (ICD-10 F20.0).
  • Die hebephrene Schizophrenie zeichnet sich vorwiegend durch die Negativsymptomatik aus. Mit Ausnahme der Denkstörungen spielen Positivsymptome eine untergeordnete Rolle oder sind inexistent. Oftmals ist die Abgrenzung zwischen einer Depression und einer hebephrenen Schizophrenie sehr schwierig und erfordert viel Erfahrung der behandelnden Fachperson (ICD-10 F20.1).
  • Die katatone Schizophrenie zeichnet sich vorwiegend durch abgeflachte Affekte und die psychomotorische Verlangsamung aus. Diese kann soweit gehen, dass die Betroffenen eine eigenartige Körperhaltung einnehmen und diese für längere Zeit beibehalten. Im Extremfall erleidet die betroffene Person einen Stupor (Regungslosigkeit) –  ICD-10 F20.2
  • Die Schizophrenia simplex setzt in der Regel schleichend im Erwachsenenalter ein. Es fehlen Halluzinationen und/oder Paranoia. Die Betroffenen werden von ihrer Umwelt leicht als „seltsam“ oder „verschroben“ empfunden und ziehen sich mehr und mehr aus dem Sozialleben zurück (ICD – F20.6).

 

Depersonalisations-/Derealisationssyndrom

Eine Depersonalisation und/oder Derealisation ist in den meisten Fällen ein Symptom einer anderen psychischen Erkrankung. Allen voran Angststörungen, aber auch Depressionen sowie zahlreiche weitere psychiatrische Krankheitsbilder. Ein isoliertes Auftreten ist äusserst selten.

Tritt eine Depersonalisation und/oder Derealisation als Folgesymptom einer anderen psychischen Erkrankung auf wird sie dieser untergeordnet. Tritt sie isoliert auf spricht man von einem Depersonalisations-/Deralisationssyndrom.

Eine Depersonalisation beschreibt ein Unwirklichkeits- und Entfremdungsgefühl gegenüber dem eigenen Körper. Die Deralisation ein Unwirklichkeits- und Entfremdungsgefühl gegenüber der Umwelt. Folge Symptome sind dafür typisch:

  • Emotionale Taubheit: Gefühle dringen nicht zu den Betoffenen hindurch und werden als unwirklich empfunden. Es besteht ein Zustand innerer Leere.
  • Veränderung des Körpererlebens: Der eigene Körper oder Teile des Körpers werden als verändert, als leblos oder als nicht zu-sich-gehörig empfunden.
  • Veränderung der visuellen Wahrnehmung: Viele Betroffene haben das Gefühl, „neben sich zu stehen“, so, als würden sie ihre Umwelt aus einer veränderten Perspektive sehen.
  • Veränderung der Wahrnehmung der Umgebung: Die Umgebung wird als fremd, leblos, unwirklich etc. empfunden. Die Betroffenen beschreiben dieses Gefühl häufig mit «sich wie unter einer Käseglocke befinden», «wie ein Milchglas vor dem Gesicht haben» oder «wie in Watte gepackt zu sein».
  • Gefühl der Automaten- oder Roboterhaftigkeit der eigenen Bewegungen oder mentalen Prozesse: Bewegungen können zwar problemlos willentlich und kontrolliert ausgeführt werden, doch die Betroffenen empfinden oft keine Zugehörigkeit einer bewusst ausgeführten Bewegung zu einem eigenen willentlichen Entschluss, diese Bewegung auszuführen. Sie empfinden ihre Bewegungen «wie ferngesteuert».
  • Veränderung von Gedächtnisprozessen: Erinnerungen können als blass, undeutlich oder fern wahrgenommen werden.

Anders als bei psychotischen Erkrankungen ist die Realitätsprüfung jederzeit in Takt. Die Betroffenen zeigen eine Krankheitseinsicht. Wahnvorstellungen, Ich-Störung und Halluzinationen sind abstinent.

Das ICD-10 umschreibt das Depersonalisations- und Derealisationssyndrom (also das isolierte Auftreten einer Depersonalisation und/oder Deralisation) unter dem Punkt F48.1 wie folgt (Zitat):

Eine seltene Störung, bei der ein Patient spontan beklagt, das seine geistige Aktivität, sein Körper oder die Umgebung sich in ihrer Qualität verändert haben, und unwirklich, wie in weiter Ferne oder automatisiert erlebt werden. Neben vielen anderen Phänomenen und Symptomen klagen die Patienten am häufigsten über den Verlust von Emotionen, über Entfremdung und Loslösung vom eigenen Denken, vom Körper oder von der umgebenden realen Welt. Trotz der dramatischen Form dieser Erfahrungen ist sich der betreffende Patient der Unwirklichkeit dieser Veränderung bewusst. Das Sensorium ist normal, die Möglichkeiten des emotionalen Ausdrucks intakt. Depersonalisations- und Derealisationsphänomene können im Rahmen einer schizophrenen, depressiven, phobischen oder Zwangsstörung auftreten. In solchen Fällen sollte die Diagnose der im Vordergrund stehenden Störung gestellt werden.

    weitere Erkrankungen

    Auswahl weiterer psychischer Erkrankungen

    Posttraumatische-Belastungsstörung

    Eine PTBS ist die Reaktion auf ein Trauma aussergewöhnlichen Ausmasses, das nicht verarbeitet werden kann. Dabei muss die Bedrohung nicht unbedingt direkt die eigene Person betreffen, sondern sie kann auch bei anderen beobachtet worden sein. Oftmals kommt es zu Flashbacks (Nachhallerinnerungen), emotionaler Taubheit (Numbing) und tiefer Verunsicherung. 

    Das internationale Diagnoseverzeichnis ICD-10 definiert folgende Kriterien bezüglich einer PTBS:

    • Der Betroffene war (kurz oder lang anhaltend) einem belastenden Ereignis von aussergewöhnlicher Bedrohung oder mit katastrophalem Ausmass ausgesetzt, das bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde.
    • Es müssen anhaltende Erinnerungen an das traumatische Erlebnis oder das wiederholte Erleben des Traumas in sich aufdrängenden Erinnerungen (Nachhallerinnerungen, Flashbacks, Träumen oder Albträumen) oder eine innere Bedrängnis in Situationen, die der Belastung ähneln oder damit in Zusammenhang stehen, vorhanden sein.
    • Der Betroffene vermeidet (tatsächlich oder möglichst) Umstände, die der Belastung ähneln.
    • Mindestens eines der folgenden Kriterien (1. oder 2.) ist erfüllt: 1. Eine teilweise oder vollständige Unfähigkeit, sich an einige wichtige Aspekte des belastenden Erlebnisses zu erinnern oder 2. Zwei der folgenden anhaltenden Symptome einer erhöhten psychischen Sensitivität und Erregung: Ein- und/oder Durchschlafstörungen, erhöhte Schreckhaftigkeit, Hypervigilanz (erhöhte/übertriebene Wachsamkeit), Konzentrationsstörungen, Reizbarkeit/Wutausbrüche.
    • Die Symptome müssen innerhalb von sechs Monaten nach dem belastenden Ereignis (oder der Belastungsperiode) auftreten.

    Bis zu 90% der von PTBS betroffenen Personen weisen mind. eine weitere psychische Erkrankung auf. Besonders häufig sind komorbide (also mit der PTBS zusammenhängende) Depressionen und Angstzustände.

    Im Wortlaut definiert das ICD-10 die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) unter Punkt F43.1 wie folgt: «Die PTBS entsteht als eine verzögerte oder protrahierte Reaktion auf ein belastendes Ereignis oder eine Situation kürzerer oder längerer Dauer, mit außergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigem Ausmaß, die bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde. Prädisponierende Faktoren wie bestimmte, z.B. zwanghafte oder asthenische Persönlichkeitszüge oder neurotische Krankheiten in der Vorgeschichte können die Schwelle für die Entwicklung dieses Syndroms senken und seinen Verlauf erschweren, aber die letztgenannten Faktoren sind weder notwendig noch ausreichend, um das Auftreten der Störung zu erklären. Typische Merkmale sind das wiederholte Erleben des Traumas in sich aufdrängenden Erinnerungen (Nachhallerinnerungen, Flashbacks), Träumen oder Albträumen, die vor dem Hintergrund eines andauernden Gefühls von Betäubtsein und emotionaler Stumpfheit auftreten. Ferner finden sich Gleichgültigkeit gegenüber anderen Menschen, Teilnahmslosigkeit der Umgebung gegenüber, Freudlosigkeit sowie Vermeidung von Aktivitäten und Situationen, die Erinnerungen an das Trauma wachrufen könnten. Meist tritt ein Zustand von vegetativer Übererregtheit mit Vigilanzsteigerung, einer übermäßigen Schreckhaftigkeit und Schlafstörung auf. Angst und Depression sind häufig mit den genannten Symptomen und Merkmalen assoziiert und Suizidgedanken sind nicht selten. Der Beginn folgt dem Trauma mit einer Latenz, die wenige Wochen bis Monate dauern kann.»

     

    Zwangsstörungen

    Für Menschen mit einer Zwangsstörung besteht ein innerer Zwang oder Drang, bestimmte Dinge zu denken oder zu tun. Die Betroffenen wehren sich zwar gegen diesen auftretenden Drang und erleben ihn als übertrieben und sinnlos, können ihm willentlich jedoch meist nichts entgegensetzen. 

    Primär wird zwischen Zwangsgedanken und Zwangshandlungen unterschieden. Zwangsgedanken sind inhaltliche Denkstörungen im Sinne sich zwanghaft immer wieder aufdrängender, jedoch als unsinnig erkannter Denkinhalte. Zwangshandlungen sind zwanghaft gegen oder ohne den Willen ausgeführte Handlungen. Beim Versuch, die Handlungen zu unterlassen, treten massive innere Anspannung und Angst auf. Zwangsgedanken wie Zwangshandlungen sind Stereotypen die immer wieder wiederholt werden müssen. 

    Zwangsgedanken kann man aufteilen in:

    • Zwangsideen und -befürchtungen (z.B. dass einem Verwandten/Bekannten etwas zustossen könnte)
    • Agressive Zwangsgedanken (z.B. Angst jemandem Schaden zu zufügen)
    • Grübelzwang (z.B. müssen die gleichen Themen immer wieder durchdacht werden ohne einen Ansatz einer Lösung zu finden)
    • Zweifel (z.B. permanente Unsicherheit etwas falsch verstanden zu haben)
    • Zählzwang (z.B. bestimmte Dinge die im Alltag auftauchen immer wieder zählen zu müssen)
    • Wiederholungen (z.B. Wiederholung immer derselben Gedanken)
    • Erledigungszwang (z.B. müssen Dinge immer sofort erledigt werden)

    Zwangshandlungen kann man aufteilen in:

    • Reinlichkeitszwang (z.B. dauerndes Händewaschen oder Putzen ohne objektive Notwendigkeit)
    • Kontrollzwang (z.B. permanente Angst davor die Herdplatte nicht abgeschaltet zu haben)
    • Ordnungszwang (z.B. innerer Druck Dinge symmetrisch anzuordnen) 
    • Berührzwang (z.B. den Drang gewisse Dinge immer wieder zu berühren)
    • Verbaler Zwang (z.B. Wörter die zwanghaft immer und immer wieder wiederholt werden)

    Wichtig ist dabei zu erwähnen, dass es sich um krankhafte Zwänge handelt die ein Ausmass annehmen, welches den Alltag massiv beeinträchtigt. Das internationale Diagnoseverzeichnis ICD-10 definiert des Weiteren folgende Kriterien für eine Zwangsstörung:

    • Die Zwangsgedanken oder zwanghaften Handlungsimpulse müssen vom Patienten als seine eigenen erkannt werden.
    • Mindestens gegen einen Zwangsgedanken oder gegen eine Zwangshandlung muss der Patient noch Widerstand leisten.
    • Der Zwangsgedanke oder die Zwangshandlung dürfen nicht an sich angenehm sein.
    • Die Zwangssymptome müssen sich in zutiefst unangenehmer Weise wiederholen.
    • Die Symptomatik muss über mindestens 14 Tage an den meisten Tagen bestehen.

    Im Wortlaut definiert das ICD-10 unter dem Punkt F42.- wie folgt: «Wesentliche Kennzeichen sind wiederkehrende Zwangsgedanken und Zwangshandlungen. Zwangsgedanken sind Ideen, Vorstellungen oder Impulse, die den Patienten immer wieder stereotyp beschäftigen. Sie sind fast immer quälend, der Patient versucht häufig erfolglos, Widerstand zu leisten. Die Gedanken werden als zur eigenen Person gehörig erlebt, selbst wenn sie als unwillkürlich und häufig abstoßend empfunden werden. Zwangshandlungen oder -rituale sind Stereotypien, die ständig wiederholt werden. Sie werden weder als angenehm empfunden, noch dienen sie dazu, an sich nützliche Aufgaben zu erfüllen. Der Patient erlebt sie oft als Vorbeugung gegen ein objektiv unwahrscheinliches Ereignis, das ihm Schaden bringen oder bei dem er selbst Unheil anrichten könnte. Im Allgemeinen wird dieses Verhalten als sinnlos und ineffektiv erlebt, es wird immer wieder versucht, dagegen anzugehen. Angst ist meist ständig vorhanden. Werden Zwangshandlungen unterdrückt, verstärkt sich die Angst deutlich.» 

    Borderline-Persönlichkeitsstörung

    Die Borderline-Persönlichkeitsstörung (im deutsch-medizinischen Sprachgebrauch auch «emotional instabile Persönlichkeitsstörung des Borderline-Typs» genannt) ist eine psychische Erkrankung die durch Impulsivität, instabile zwischenmenschliche Beziehungen, rasche Stimmungswechsel und ein schwankendes Selbstbild aufgrund einer gestörten Selbstwahrnehmung gekennzeichnet ist. 

    Im Zusammenhang mit der Borderline-Persönlichkeitsstörung ist für Laien das amerikanische Diagnoseverzeichnis DSM-V aufschlussreicher als das in den deutschsprachigen Staaten zugelassene Verzeichnis ICD-10.

    Das DSM-V definiert neun Symptome von welchen fünf erfüllt sein müssen, damit es zur Diagnose «Borderline» kommt:

    • Hektisches Bemühen, tatsächliches oder vermutetes Verlassenwerden zu vermeiden.*
    • Ein Muster instabiler und intensiver zwischenmenschlicher Beziehungen, das durch einen Wechsel zwischen den Extremen der Idealisierung und Entwertung gekennzeichnet ist.
    • Identitätsstörung: ausgeprägte und andauernde Instabilität des Selbstbildes oder der Selbstwahrnehmung.
    • Impulsivität in mindestens zwei potenziell selbstschädigenden Bereichen, z. B. Geldausgaben, Sexualität, Substanzmissbrauch, rücksichtsloses Fahren, „Essanfälle“.*
    • Wiederholte suizidale Handlungen, Selbstmordandeutungen oder -drohungen oder Selbstverletzungsverhalten.
    • Affektive Instabilität infolge einer ausgeprägten Reaktivität der Stimmung, z. B. hochgradige episodische Misslaunigkeit (Dysphorie), Reizbarkeit oder Angst, wobei diese Verstimmungen gewöhnlich einige Stunden und nur selten mehr als einige Tage andauern.
    • Chronische Gefühle von Leere.
    • Unangemessene, heftige Wut oder Schwierigkeiten, die Wut zu kontrollieren, z. B. häufige Wutausbrüche, andauernde Wut, wiederholte körperliche Auseinandersetzungen.
    • Vorübergehende, durch Belastungen ausgelöste paranoide Vorstellungen oder schwere dissoziative Symptome.

    *Hier werden keine suizidalen oder selbstverletzenden Handlungen berücksichtigt

    Eine Borderline-Persönlichkeitsstörung wird rein theoretisch nur bei volljährigen Personen diagnostiziert, da gewisse Kriterien mit stark pubertierenden Verhaltensweisen übereinstimmen können. In der Praxis wird bei sehr starken Anzeichen jedoch auch bei Jugendlichen die Diagnose gestellt.

    Angstzustände und allen voran Depressionen treten häufig im Zusammenhang mit einer Boderline-Persönlichkeitsstörung auf (Komorbidität).

    Schizophrenie (Psychosen)

    Psychose ist ein Sammelbegriff für diverse psychische Erkrankungen, welche mit einer Beeinträchtigung des Denkens, der Wahrnehmung und der Verarbeitung von Sinneseindrücken einhergehen. Die Schizophrenie ist die häufigste Form dieser Erkrankungen nicht organischen Ursprungs und wird häufig mit «irre sein» oder «den Verstand verlieren» gleich gesetzt. Dies trifft allerdings nur bedingt zu, da es unterschiedliche Formen der Schizophrenie gibt.

    Grundsätzlich gibt es bei einer Schizophrenie sogenannte Positiv- und Negativsymptome, wobei «positiv» nicht im alltäglichen Sinne zu verstehen ist. Positivsymptome sind Beschwerden, welche zum «Normalzustand» hinzukommen (z.B. Halluzinationen), Negativsymptome sind Beschwerden dem «Normalzustand» abgezogen werden (z.B. Antriebslosigkeit). Im Detail…

    Typische Positivsymptome sind:

    • Wahnhaftes Erleben (Wahngedanken, Wahnideen, Wahnvorstellungen): Die betroffene Person ist von Dingen (in der Regel paranoiden Inhalts) überzeugt, welcher jeglicher Realitätsgrundlage entbehren. Sie lässt sich durch Gespräche und Hinweise nicht von ihren wahnhaften Überzeugungen abbringen.
    • Halluzinationen: In den allermeisten Fällen auditiv. Typisch ist das hören von nicht existierenden Stimmen welche als real existierend wahrgenommen werden.
    • Ich-Störung (Auflösung der Ich-Umwelt-Grenze): Beispielsweise werden die eigenen Gedanken als von aussen eingegeben erlebt oder die Betroffenen haben das Gefühl, andere können ihre Gedanken lesen.
    • Formale Denkstörungen (insbesondere Denkzerfahrenheit): Gedankengänge und Zusammenhänge sind für Aussenstehende nicht nachvollziehbar.
    • Erregbarkeit: Innere Anspannung und leichte Reizbarkeit.

    Typische Negativsymptome sind:

    • Antriebslosigkeit und Apathie: Die Betroffenen verlieren das Interesse an ihrer Umgebung. Sie wirken emotions- und teilnahmslos.
    • Freudlosigkeit (Anhedonie): Die Betroffenen sind nicht mehr fähig Freude, Lust oder Genuss zu empfinden.
    • Sprachverarmung (Alogie): Mangel an sprachlichen Äusserungen mit verzögerten, wortkargen Antworten und einer wenig differenzierten Sprache.
    • Verminderte oder unangemessene Gefühle (Affektverflachung): Auf Aussenstehende wirken die Betroffenen abgestumpft und ihre Gefühlsäusserungen sind reduziert.
    • Verminderte soziale Leistungsfähigkeit (Asozialität): Die Erkrankten ziehen sich emotional wie sozial zurück.
    • Psychomotorische Verlangsamung: Die Mimik wirkt abgeschwächt und verlangsamt. Im Extremfall katatone Symptome.
    • Aufmerksamkeitsstörungen: Mangelnde Fähigkeit zielgerichtetes Verhalten zu beginnen und beizubehalten (Avolition), Auffassungsstörungen und Konzentrationsstörungen.
    • Mangelnde Willenskraft (Abulie): Die Betroffenen haben Schwierigkeiten alltägliche Entscheidungen zu treffen.
    • Hinweis: Es besteht ein Risiko, dass nach einer akuten Phase die Negativsymptome in einer post-psychotischen Depression münden.

    Es gibt verschiedene Arten der Schizophrenie. Folgend werden die vier klassischen Formen aufgelistet:

    • Die paranoide Schizophrenie ist die häufigste Form der Erkrankung. Bei ihr ist die Positivsymptomatik stark ausgeprägt. Oft kommt es nach der Akutphase zu Negativsymptomen (ICD-10 F20.0).
    • Die hebephrene Schizophrenie zeichnet sich vorwiegend durch die Negativsymptomatik aus. Mit Ausnahme der Denkstörungen spielen Positivsymptome eine untergeordnete Rolle oder sind inexistent. Oftmals ist die Abgrenzung zwischen einer Depression und einer hebephrenen Schizophrenie sehr schwierig und erfordert viel Erfahrung der behandelnden Fachperson (ICD-10 F20.1).
    • Die katatone Schizophrenie zeichnet sich vorwiegend durch abgeflachte Affekte und die psychomotorische Verlangsamung aus. Diese kann soweit gehen, dass die Betroffenen eine eigenartige Körperhaltung einnehmen und diese für längere Zeit beibehalten. Im Extremfall erleidet die betroffene Person einen Stupor (Regungslosigkeit) –  ICD-10 F20.2
    • Die Schizophrenia simplex setzt in der Regel schleichend im Erwachsenenalter ein. Es fehlen Halluzinationen und/oder Paranoia. Die Betroffenen werden von ihrer Umwelt leicht als „seltsam“ oder „verschroben“ empfunden und ziehen sich mehr und mehr aus dem Sozialleben zurück (ICD – F20.6).

     

    Depersonalisation/Derealisation

    Eine Depersonalisation und/oder Derealisation ist in den meisten Fällen ein Symptom einer anderen psychischen Erkrankung. Allen voran Angststörungen, aber auch Depressionen sowie zahlreiche weitere psychiatrische Krankheitsbilder. Ein isoliertes Auftreten ist äusserst selten.

    Tritt eine Depersonalisation und/oder Derealisation als Folgesymptom einer anderen psychischen Erkrankung auf wird sie dieser untergeordnet. Tritt sie isoliert auf spricht man von einem Depersonalisations-/ Derealisationssyndrom.

    Eine Depersonalisation beschreibt ein Unwirklichkeits- und Entfremdungsgefühl gegenüber dem eigenen Körper. Die Deralisation ein Unwirklichkeits- und Entfremdungsgefühl gegenüber der Umwelt. Folge Symptome sind dafür typisch:

    • Emotionale Taubheit: Gefühle dringen nicht zu den Betoffenen hindurch und werden als unwirklich empfunden. Es besteht ein Zustand innerer Leere.
    • Veränderung des Körpererlebens: Der eigene Körper oder Teile des Körpers werden als verändert, als leblos oder als nicht zu-sich-gehörig empfunden.
    • Veränderung der visuellen Wahrnehmung: Viele Betroffene haben das Gefühl, „neben sich zu stehen“, so, als würden sie ihre Umwelt aus einer veränderten Perspektive sehen.
    • Veränderung der Wahrnehmung der Umgebung: Die Umgebung wird als fremd, leblos, unwirklich etc. empfunden. Die Betroffenen beschreiben dieses Gefühl häufig mit «sich wie unter einer Käseglocke befinden», «wie ein Milchglas vor dem Gesicht haben» oder «wie in Watte gepackt zu sein».
    • Gefühl der Automaten- oder Roboterhaftigkeit der eigenen Bewegungen oder mentalen Prozesse: Bewegungen können zwar problemlos willentlich und kontrolliert ausgeführt werden, doch die Betroffenen empfinden oft keine Zugehörigkeit einer bewusst ausgeführten Bewegung zu einem eigenen willentlichen Entschluss, diese Bewegung auszuführen. Sie empfinden ihre Bewegungen «wie ferngesteuert».
    • Veränderung von Gedächtnisprozessen: Erinnerungen können als blass, undeutlich oder fern wahrgenommen werden.

    Anders als bei psychotischen Erkrankungen ist die Realitätsprüfung jederzeit in Takt. Die Betroffenen zeigen eine Krankheitseinsicht. Wahnvorstellungen, Ich-Störung und Halluzinationen sind abstinent.

    Das ICD-10 umschreibt das Depersonalisations- und Derealisationssyndrom (also das isolierte Auftreten einer Depersonalisation und/oder Deralisation) unter dem Punkt F48.1 wie folgt (Zitat):

    Eine seltene Störung, bei der ein Patient spontan beklagt, das seine geistige Aktivität, sein Körper oder die Umgebung sich in ihrer Qualität verändert haben, und unwirklich, wie in weiter Ferne oder automatisiert erlebt werden. Neben vielen anderen Phänomenen und Symptomen klagen die Patienten am häufigsten über den Verlust von Emotionen, über Entfremdung und Loslösung vom eigenen Denken, vom Körper oder von der umgebenden realen Welt. Trotz der dramatischen Form dieser Erfahrungen ist sich der betreffende Patient der Unwirklichkeit dieser Veränderung bewusst. Das Sensorium ist normal, die Möglichkeiten des emotionalen Ausdrucks intakt. Depersonalisations- und Derealisationsphänomene können im Rahmen einer schizophrenen, depressiven, phobischen oder Zwangsstörung auftreten. In solchen Fällen sollte die Diagnose der im Vordergrund stehenden Störung gestellt werden.